Alterssicherungsrisiken in einem alternden Europa: Arbeitsmarktflexibilisierung, Vermarktlichung der Altersvorsorge und soziale Ungleichheit

Fragestellung/Ziel: 

Unsicherheiten und Ungewissheiten als Folge der Arbeitsmarktflexibilisierung und der Vermarktlichung der Altersvorsorge stellen die alternden Gesellschaften in Europa vor große Herausforderungen, da diese Entwicklungen die Heterogenität beim Übergang in den Ruhestand und die sozialen Ungleichheiten beim Alterseinkommen noch verstärken können. Die Flexibilisierung führt vermehrt zu unterbrochenen Erwerbsbiografien, atypischen Beschäftigungsverhältnissen sowie Deckungslücken bei der Altersversorgung. Darüber hinaus führt Vermarktlichung infolge der Rentenreformen beim Alterseinkommen zu mehr Abhängigkeit von früheren Beschäftigungsverhältnissen, Beitragszahlungen und Anlagerenditen. Das international vergleichende Projekt analysiert die sozialen Folgen dieser Entwicklungen über die vergangenen und die kommenden zwei Jahrzehnte. Dabei werden die Veränderungen hinsichtlich der Rentenerwartungen, des Übergangs in den Ruhestand sowie des Alterseinkommens untersucht. Vom soziologischen Standpunkt aus liegt der Schwerpunkt auf den sozialen Risikogruppen, die von atypischer Beschäftigung (Teilzeitarbeit, befriste Beschäftigung, niedriges Entgelt) sowie Nichtbeschäftigung in besonderem Maße betroffen sind. Vom politisch-ökonomischen Standpunkt aus werden die Auswirkungen der Rentenreformen im Hinblick auf die Unsicherheit beim Alterseinkommen in Zeiten unsicherer Finanzmärkte untersucht. Das Projekt bezieht sich vor allem auf die sozialen Risikodimensionen von Kohorten, Gender, Haushaltsform, Partnerschaft, Behinderung sowie Migrationsstatus. Länderübergreifende und longitudinale Analysen untersuchen die Entwicklung des Beschäftigungs-, Renten- und Alterseinkommens in europäischen Ländern. Das Projekt verbindet auf innovative Weise die retrospektive Analyse von Erwerbsverläufen und Rentenreformen, Querschnittsstudien individueller Rentenerwartungen und Übergänge sowie prospektive Simulation zukünftigen Alterseinkommens. Durch die Untersuchung von allgemeinen und länderspezifischen sozialen Risikogruppen identifiziert die Analyse diejenigen Personen, die im Alter am wahrscheinlichsten unter Altersarmut leiden werden. Die Analyse der besten Ansätze kann so einen Beitrag zur politischen Debatte leisten, wie Flexibilisierung und Sicherheit in Einklang gebracht werden können.

Für die Zukunft der Wohlfahrtsstaaten in alternden Gesellschaften stellen die sozialen Folgen der Arbeitsmarktflexibilisierung und der Vermarktlichung der Altersvorsorge große Herausforderungen dar. Mit Hilfe vergleichender longitudinaler Analysen soll das Projekt untersuchen, wie das Zusammenspiel zwischen Beschäftigungsflexibilisierung und Vermarktlichung der Altersvorsorge die Ruhestandssituation gefährdeter sozialer Risikogruppen mit atypischer Erwerbsbiografie in Europa beeinflusst. Es befasst sich mit der fundamentalen Frage, inwieweit Arbeitsmarktflexibilisierung und Vermarktlichung der Renten die Ruhestandserwartungen, den Übergang von Beschäftigung in die Rente sowie die Einkommenssituation der Rentner beeinflussen. Das Projekt verbindet makro-soziologische und mikro-soziologische Übersichtsanalysen in einem vergleichenden und longitudinalen Ansatz.

Fact sheet

Laufzeit: 
2015 bis 2018
Status: 
geplant

Veröffentlichungen