Determinanten der Ruhestandsentscheidung in Europa und den USA: Ein internationaler Vergleich institutioneller, betrieblicher und individueller Faktoren

Fragestellung/Ziel: 

In vielen westlichen Gesellschaften ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten angesichts der zunehmenden Alterung der Erwerbsbevölkerung ein Wandel der Politik gegenüber älteren Arbeitnehmern zu beobachten. Eine Politik des Aktiven Alterns soll die zuvor dominante Frühverrentungspolitik umkehren und die Weiterarbeit bis zum Ruhestandsalter bzw. darüber hinaus fördern. Das Projekt untersuchte diesen politischen Paradigmenwechsel und seine Konsequenzen für soziale Ungleichheiten in der späten Erwerbskarriere aus einer international vergleichenden Perspektive.

Zu Beginn des Projektes wurde zunächst ein theoretischer Rahmen entwickelt, der institutionelle Prozesse auf der Makro- und Mesoebene mit Wandlungsprozessen auf der Ebene individueller Ruhestandsentscheidungen analytisch miteinander verknüpfte. Hierbei standen nicht nur der Zeitpunkt des Übergangs in den Ruhestand, sondern ebenso dessen Gründe und Motive im Fokus.  In einer ersten Forschungsphase wurden anschließend zentrale Wandlungsprozesse der Kontextbedingungen des Ruhestands auf arbeitsmarkt- und rentenpolitischer, betrieblicher und individueller Ebene für 11 europäische Länder, die USA und Japan rekonstruiert. Dies geschah mit Hilfe eines Netzwerks ausgewiesener Experten. Die Ergebnisse dieser ersten Forschungsphase belegen, dass in den vergangenen 15 Jahren umfangreiche Reformen von Renten- und Arbeitsmarktpolitiken stattfanden, die in vielen Ländern zu einer Erhöhung des durchschnittlichen Ruhestandsalters älterer Menschen beigetragen haben.

In einer zweiten Forschungsphase wurden die Auswirkungen dieses institutionellen Wandels auf individuelle Ruhestandsentscheidungen anhand zweier spezifischer Module des EU Labour Force Surveys 2006 und 2012 analysiert. Multiple Regressionsanalysen mit Blick auf den Zeitpunkt und die Gründe des Ruhestandsübergangs belegten, dass in vielen Ländern die Erhöhung des durchschnittlichen Ruhestandsalters mit einer Verschärfung sozialer Ungleichheiten innerhalb der älteren Erwerbsbevölkerung einhergeht. Benachteiligte Arbeitsmarktgruppen (wie etwa Personen mit geringerer Bildung, Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund) weisen ein höheres Risiko auf, von erzwungenen Ruhestandsübergängen betroffen zu sein oder unfreiwillig aus finanziellen Gründen über das offizielle Ruhestandsalter hinaus arbeiten zu müssen. Die Verschärfung sozialer Ungleichheiten trat insbesondere in Ländern auf, in denen sich politische und betriebliche Reformen einseitig auf die Verringerung finanzieller (Vor-) Ruhestandsanreize konzentrierten und nicht von verbesserten Beschäftigungsmöglichkeiten für ältere Arbeitnehmer flankiert wurden.

Fact sheet

Finanzierung: 
DFG
Laufzeit: 
2012 bis 2016
Status: 
beendet
Datenart: 
SHARE/SHARELIFE, Health and Retirement Survey (USA), OECD, Eurostat und ausgewählte länderspezifische Datenquellen
Geographischer Raum: 
Europa, Japan, USA

Veröffentlichungen