Die Regulierung von Zusatzrenten in Europa: Kollektive Rechte und soziale Ungleichheit | Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung

Die Regulierung von Zusatzrenten in Europa: Kollektive Rechte und soziale Ungleichheit

Fragestellung/Ziel: 

Die zunehmende Bedeutung privater Zusatzrenten in Europa wirft grundsätzliche Fragen über die Absicherung von partizipativen und sozialen Rechten von Arbeitnehmern auf. Der Umfang, die Leistungsberechnung und die Finanzierungsmodalitäten variieren je nach staatlicher bzw. kollektiver Regulierung der Zusatzrenten. Mit Hilfe von Länderstudien verglich das von der DFG geförderte internationale GOSPE-Projekt die Entwicklung von Zusatzrentensystemen, insbesondere die Rolle des Staates und der Sozialpartner bei der Regulierung betrieblicher, tarifvertraglicher und individueller privater Altersvorsorge. Es wurde untersucht, inwieweit verschiedene soziale Gruppen durch Zusatzrenten abgesichert sind, wie ihre Interessen in den Zusatzrentensystemen repräsentiert werden und wie dies ihr Renteneinkommen beeinflusst. Der Vergleich von Deutschland mit neun euro¬päischen Ländern (Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Italien, Niederlande, Schweden, Schweiz, Großbritannien) bietet ausreichend Variationen an Alterssicherungssystemen, um deren unterschiedliche Wirkung auf den Deckungsgrad, die Leistungszusammensetzung und das Risikopooling zu beleuchten. Aufbauend auf zehn Länderstudien durch internationale Expertenteams untersuchten drei vergleichende Analysen die langfristige Entwicklung staatlicher und privater Alterssicherungssysteme, die Variationen in den Governance-Strukturen von privaten Zusatzrenten sowie die Auswirkung dieser Alterssicherungssysteme auf gegenwärtige und zukünftige soziale Ungleichheit im Alter. Die Ergebnisse wurden im Sammelband The Varieties of Pension Governance bei Oxford University Press 2011 veröffentlicht. Außerdem wurden drei Dissertationsprojekte im Kontext des Projektes bearbeitet. Das Ziel des Projektes war es zur vergleichenden Analyse des institutionellen Wandels der öffentlichen bzw. privaten Altersvorsoge und deren Reformen beizutragen. Das Projekt verdeutlicht die pfadabhängige Entwicklung der Mehrsäulen- Rentensysteme: Die Beverdige-Systeme entwickelten schon früh kapitalfinanzierten Renten, während die Bismarckschen Rentensysteme dies später entwickelten. Die Governanceformen und Regulierungsmodi der privaten Altersvorsorge variieren zwischen wenig Regulierung in liberalen Marktwirtschaften und strikterer Regulierung in einigen koordinierten Marktwirtschaften, insbesondere in der tarifvertraglichen oder obligatorischen privaten Altersvorsorge. Diese Variationen sind für die Einkommensungleichheit von Bedeutung, besonders für den Deckungsgrad der privaten Altersvorsorge und den Anteil an den gesamten Renteneinkommen.

Fact sheet

Finanzierung: 
DFG
Laufzeit: 
2005 bis 2011
Status: 
beendet
Datenart: 
Länderstudien (Sekundäranalyse und Interviews); Mikrodatenan
Geographischer Raum: 
Europa (Europäische Union)

Veröffentlichungen

Bücher

Ebbinghaus, Bernhard (Hrsg.) (2011): The Varieties of Pension Governance. Pension Privatization in Europe. Oxford: Oxford University Press. mehr
Wiß, Tobias (2011): Der Wandel der Alterssicherung in Deutschland. Die Rolle der Sozialpartner. Wiesbaden: VS Verlag. mehr
Wiß, Tobias (2008): Europäisierung der Alterssicherung? Einfluss und Wirkung der Europäischen Union auf Rentenreformen in Deutschland seit 2001. Saarbrücken: VDM Verlag. mehr
Immergut, Ellen M., Karen M. Anderson und Isabelle Schulze (Hrsg.) (2007): The Handbook of West European Pension Politics. Oxford: Oxford University Press. mehr
Gronwald, Mareike (2007): Entwicklungstendenzen westeuropäischer Wohlfahrtsstaaten. Zur Rentenreform in Schweden, Großbritannien und Deutschland. Saarbrücken: VDM Verlag Dr. Müller. mehr
Schulze, Isabelle (2007): Der Einfluss von Wahlsystemen auf Politikinhalte. Electoral Threat in der Rentenpolitik. Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft. mehr
Ebbinghaus, Bernhard (2006): Reforming Early Retirement in Europe, Japan and the USA. Oxford, UK: Oxford University Press. mehr