Erwerb von sprachlichen und kulturellen Kompetenzen von Migrantenkindern in der Vorschulzeit und der Übergang in die Grundschule

Fragestellung/Ziel: 

Das Hauptziel dieses Projektes ist die Erklärung des ethnischen Unterschiedes im Erwerb von kulturellen und sprachlichen Kompetenzen im Vorschulalter. Das ist eine zentrale Fragestellung, weil es sich dabei um Schlüsselkompetenzen für den späteren Bildungserfolg handelt. Ein zweites Ziel dieses Projektes ist die detaillierte Untersuchung der Determinanten des Kompetenzerwerbs, ihr relativer Einfluss und ihre Beziehungen untereinander. Weiterhin soll ein theoretisches Modell vorschulischer Bildungsinvestition entwickelt und empirisch getestet werden. Schließlich sollen die Rolle und die Effekte des Vorschulbesuchs untersucht werden. Verschiedene Studien zur ethnischen Bildungsungleichheit haben ergeben, dass Migrantenkinder selbst bei Berücksichtigung der sozialen Herkunft und der Migrationsbiografie im deutschen Bildungssystem deutlich benachteiligte Positionen einnehmen. Dies kann vor allem auf den Mangel an bildungsrelevanten sprachlichen und kulturellen Kompetenzen zurückgeführt werden. Da bereits zu Beginn der Grundschulzeit deutliche Unterschiede zwischen Kindern mit und ohne Migrationshintergrund festgestellt werden und diese sich offenbar dann noch kumulativ verstärken, muss eine Erklärung dieser Startnachteile, neben den recht gut untersuchten Einflüssen der Familien- und Migrationsbiografie, bereits in der Vorschulzeit ansetzen. Zur Erklärung der ethnischen Kompetenzunterschiede im Vorschulalter bietet sich, wie für die Bildungsbeteiligung insgesamt, eine humankapitaltheoretische Modellierung des Kompetenzerwerbs und dessen Folgen an. Die Aneignung von Humankapital im Vorschulalter kann als Investition der Familie aufgefasst werden, die jedoch weitgehend den über Familien- und Migrationsbiografie bestimmten Vorgaben, darunter besonders die Ausstattung mit kulturellem Kapital, und den in der Wohnumgebung vorgefundenen Möglichkeiten, folgt. Vor diesem Hintergrund wird der Kindergartenbesuch als eine derart strukturierte vorschulische Bildungsentscheidung der Eltern verstanden. Für die empirische Untersuchung der Bestimmungsgründe und der (längerfristigen bildungsrelevanten) Folgen speziell des Kindergartengartenbesuchs (im Vergleich zu den anderen Einflüssen) ist ein Panel mit türkischen und deutschen Familien geplant, wobei zu zwei Zeitpunkten eine Befragung der Eltern und die Durchführung eines standardisierten Tests der kognitiven und sprachlichen Fähigkeiten mit dem Kind erfolgen sollen. Informationen über den Wohnkontext sowie die Merkmale des Kindergartens sollen diesen Daten zugespielt werden.

Arbeitsstand: 

 Im September 2013 wurde die Befragung der Familien von Drittklässlern abgeschlossen. Ein Elternteil wurde zu Hause persönlich interviewt (CAPI); im Anschluss wurden der standardisierte Entwicklungstest K-ABC sowie die Schulleistungstests DEMAT 3+ und WLLP mit dem Zielkind durchgeführt. Zusätzlich wurden Familien mit Kindern in der vierten Klasse telefonisch befragt (CATI). Hierbei handelt es sich um ca. die Hälfte aller Familien. Parallel zu den Familienbefragungen läuft die postalische und telefonische Befragung der besuchten Grundschulen. Zurzeit finden die Vorbereitungen für die im kommenden Jahr startende letzte telefonische Befragungswelle der restlichen Familien von Viertklässlern statt, welche voraussichtlich Mitte März 2014 starten wird.

Fact sheet

Finanzierung: 
DFG
Laufzeit: 
2006 bis 2014
Status: 
ongoing
Datenart: 
Primärerhebung
Geographischer Raum: 
Deutschland

Veröffentlichungen

Bücher

Becker, Birgit, und David Reimer (Hrsg.) (2010): Vom Kindergarten bis zur Hochschule. Die Generierung von ethnischen und sozialen Disparitäten in der Bildungsbiographie. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. mehr
Biedinger, Nicole (2010): Ethnische und soziale Ungleichheit im Vorschulbereich. Leipzig: Engelsdorfer Verlag. mehr
Esser, Hartmut (2006): Sprache und Integration. Die sozialen Bedingungen und Folgen des Spracherwerbs von Migranten. Frankfurt am Main und New York: Campus. mehr