Ethnische Netzwerke und der Bildungserwerb von Migranten im Lebenslauf

Fragestellung/Ziel: 

Die soziale Einbettung von Migranten und deren Nachkommen ist von zentraler Bedeutung für ihre strukturelle Integration. Es ist jedoch umstritten, ob ethnische Netzwerke den Bildungserfolg von Migranten befördern oder behindern. Einerseits wird argumentiert, dass ethnische Netzwerke strukturelle Nachteile von Migranten kompensieren könnten. Andererseits wird in einer (starken) ethnischen Einbettung ein weiteres Hindernis für eine erfolgreiche Bildungslaufbahn gesehen. Empirisch findet man Belege für beide Argumentationsweisen. Bisherige Befunde sind weit davon entfernt, ein konsistentes und schlüssiges Gesamtbild zu ergeben. Sie beziehen sich nicht nur auf unterschiedliche Migrantengruppen in verschiedenen Aufnahmeländern, sondern betrachten jeweils auch unterschiedliche Aspekte des Bildungserfolgs wie beispielsweise Bildungsübergänge oder Kompetenzerwerb auf verschiedenen Stufen der Bildungskarriere. Hier zeigt sich, dass es auch von der Lebensphase abhängt, ob ethnische Netzwerke förderlich oder hinderlich sind.
Ziel dieses Projekts ist es, diese vordergründig widersprüchlichen Sichtweisen in ein übergreifendes Modell der intergenerationalen Integration von Migranten im Lebenslauf zu integrieren. Dabei bilden die Sozialkapitaltheorie und das Modell der Frame-Selektion als integrative Handlungstheorie die theoretischen Ausgangspunkte. So können Schwächen klassischer Rational-Choice-Modelle, vor allem in der Berücksichtigung kulturell geprägter Normen und Werten, überwunden werden. Dies ist für eine adäquate Modellierung ethnischer Netzwerkeffekte besonders wichtig, weil ethnische Netzwerke vor allem über die Vermittlung kultureller Normen und Orientierungen wirken. Mit diesem Vorhaben soll geklärt werden, wie die positive oder negative Wirkung ethnischer Netzwerke von weiteren Eigenschaften der jeweiligen Migrantengruppe, von der Stufe in der Bildungkarriere und den jeweiligen Indikatoren für Bildungserfolg abhängt. Dafür werden Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS) genutzt. Aufgrund umfassender Messungen ethnischer Netzwerkcharakteristiken und verschiedener Sozialkapitalaspekte auf zahlreichen Stufen der Bildungskarriere, ist es damit erstmals möglich, entsprechende Hypothesen im Lebenslauf zu testen.

Arbeitsstand: 

2014 haben wir anhand von Daten der NEPS-Startkohorte 6 (Lebenslanges Lernen) Mechanismen spezifiziert, die dem negativen Effekt ethnischer Netzwerkzusammensetzungen auf die Dauer von Arbeitslosigkeit und der Teilnahme an Weiterbildung zugrunde liegen. Weiterhin untersuchten wir die Rolle ethnischer Netzwerke bei der Entstehung ethnischer Unterschiede im Bildungserfolg und dem Erreichen von Bildungsabschlüssen anhand der NEPS Startkohorten 3 (Klasse 5) und 4 (Klasse 9). Weitere Ergebnisse wurden auf internationalen Konferenzen vorgestellt und Ergebnisse in peer-reviewed und anderen Zeitschriften sowie in der MZES Working Paper Series veröffentlicht.

Fact sheet

Finanzierung: 
DFG
Laufzeit: 
2012 bis 2015
Status: 
ongoing
Datenart: 
Sekundärdatenanalyse, Nationales Bildungspanel
Geographischer Raum: 
Deutschland

Veröffentlichungen