Europarteien auf Ostkurs. Der Einfluss der Europarteien auf mittel- und osteuropäische Partnerparteien

Fragestellung/Ziel: 

Ziel des Forschungsvorhabens ist die Untersuchung des Einflusses der europäischen Parteienbünde (Europarteien) auf ihre mittel- und osteuropäischen Partnerparteien und deren Parteiensysteme. Im Zuge der allgemeinen Osterweiterung der Europäischen Union findet sozusagen als "Prozess im Prozess" die Osterweiterung der europäischen Parteifamilien statt. Diese "europäischen Parteifamilien" bestehen jeweils aus den nationalen Parteien, den Fraktionen im Europäischen Parlament und den (außerparlamentarischen) Europarteien. Die Europarteien sind aus strukturellen Gründen besonders für die praktische Durchführung der Osterweiterung der europäischen Parteifamilien geeignet. In deren Rahmen suchen sie nach mittel- und osteuropäischen Partnerparteien, auf die sie im Sinne einer "Westeuropäisierung" und häufig mittels Druckausübung Einfluss nehmen, was sich auch auf die betroffenen Parteiensysteme auswirken kann. Trotz vereinzelter Hinweise auf derartige Einflussnahmen, zeigt die Forschung weder auf welche Weise diese konkret verlaufen noch welche Auswirkungen sie auf die betroffenen mittel- und osteuropäischen Parteien und Parteiensysteme haben. Das beantragte Projekt soll diese Forschungslücke mit einer umfassenden und systematischen empirischen Untersuchung des Einflusses der Europarteien auf ihre ungarischen, slowakischen und rumänischen Partnerparteien schließen. Ferner liefern die Ergebnisse der Studie einen Beitrag zur Beantwortung der Frage, inwiefern externe Akteure Einfluss auf Entwicklungen in jungen Demokratien nehmen können.

Arbeitsstand: 

Das Projekt befindet sich aktuell in der Phase der Datenanalyse. Hierfür wurden Interviews mit Repräsentanten der Europarteien und der mittel- und osteuropäischen Partner in verschiedenen europäischen Ländern geführt (Deutschland, Belgien, Frankreich, Luxemburg, Ungarn, Rumänien und Slowakei). Diese Interviews wurden transkribiert und werden aktuell mit Hilfe von MAXQDA analysiert. Zuvor wurden bereits Inhaltsanalysen von Statuten mittel- und osteuropäischer Parteien in den ausgewählten Ländern durchgeführt (Ungarn, Rumänien und Slowakei). Ferner wurde ein Modell der Einflussnahme der Europarteien auf mittel- und osteuropäische Parteien entwickelt. Erste Ergebnisse wurden im Jahr 2013 in einer Monographie sowie in verschiedenen Artikeln in wissenschaftlichen Fachzeitschriften und Sammelbänden veröffentlicht.

Fact sheet

Finanzierung: 
DFG
Laufzeit: 
2006 bis 2014
Status: 
beendet
Datenart: 
Inhaltsanalysen von Wahlprogrammen und Parteistatuten sowie Eliteninterviews
Geographischer Raum: 
EU

Veröffentlichungen

Bücher

Berge, Benjamin von dem, Thomas Poguntke, Peter Obert und Diana Tipei (2013): Measuring Intra-Party Democracy: A Guide for the Content Analysis of Party Statutes with Examples from Hungary, Slovakia and Romania. Heidelberg: Springer. [SpringerBriefs] mehr