Kampagnendynamik. Mobilisierungs- und Persuasionseffekte von Fernsehnachrichten auf Wähler während des Bundestagswahlkampfs 2005 | Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung

Kampagnendynamik. Mobilisierungs- und Persuasionseffekte von Fernsehnachrichten auf Wähler während des Bundestagswahlkampfs 2005

Fragestellung/Ziel: 

Ziel des Projektes war die erste umfassende Analyse der Wirkungen eines Wahlkampfes auf das Wählerverhalten in Deutschland. Am Beispiel der Bundestagswahl 2005 sollte untersucht werden, ob und wie die tagesaktuelle Berichterstattung der vier reichweitenstärksten Fernsehsender ARD, ZDF, RTL und SAT.1 im Verlauf des Wahlkampfes Wahrnehmungen, Einstellungen und Parteipräferenzen der Wähler sowie darüber vermittelt das Wahlergebnis beeinflusst hat. Das Interesse des Projektes galt dabei sowohl der Wahlbeteiligung als auch der Parteiwahl. Um diese Dynamik einzufangen, wurde eine bereits vorliegende Datenbasis – eine national repräsentative Rolling Cross-Section-Umfrage mit täglichen Interviews auf der Basis von Zufallsstichproben über den Gesamtverlauf des Wahlkampfes – mit einer im Rahmen des Projektes durchgeführten Inhaltsanalyse der Hauptnachrichtensendungen über denselben Zeitraum kombiniert. Dieser integrierte Datensatz erlaubt es, die Medienwirkungen auslösenden, vom Fernsehen vermittelten Inhalte direkt mit den korrespondierenden Orientierungen der Wähler in Verbindung zu bringen ("linkage"-Ansatz), und verspricht deshalb validere Befunde als die rein umfragebasierte Analyse der Effekte der Mediennutzung ("attentiveness"-Ansatz). Die Untersuchung gibt detaillierten Aufschluss über die dynamischen Effekte der Fernsehberichterstattung auf die Orientierungen der Wähler zu Parteien, Kandidaten und Issues (politische Persuasion) sowie auf ihre Involvierung in den wahlpolitischen Prozess (politische Mobilisierung). Wichtigste Ergebnisse: Der Großteil der Laufzeit des Projektes war der Datenerhebung gewidmet. Erste Analysen deuten darauf hin, dass sowohl die Sichtbarkeit von Parteien und Kandidaten, als auch die Tonalität der Berichterstattung der Fernsehnachrichten wichtige Aspekte der Fernsehberichterstattung waren; es zeigten sich sowohl mobilisierende (bzw. demobilisierende) Wirkungen als auch Auswirkungen auf die Parteiwahl.

Fact sheet

Finanzierung: 
DFG
Laufzeit: 
2008 bis 2010
Status: 
beendet
Datenart: 
Rolling Cross-Section-Umfrage, Inhaltsanalyse von TV-Bericht
Geographischer Raum: 
Deutschland

Veröffentlichungen

Bücher

Faas, Thorsten (2010): Arbeitslosigkeit und Wählerverhalten: Direkte und indirekte Wirkungen auf Wahlbeteiligung und Parteipräferenzen in Ost- und Westdeutschland. Baden-Baden: Nomos. mehr