Räumliche Modelle der Parteienkonkurrenz angewandt auf Bundestagswahlen

Fragestellung/Ziel: 

Räumliche Modelle des Stimmenwettbewerbs der Parteien werden auf Politikräume angewandt, die von den wichtigen Themen einer Wahl in der Form von Issue-Dimensionen aufgespannt werden. In diesen Politikräumen entscheiden sich Wähler für Parteien oder Kandidaten, die ihnen politisch nahe stehen, und die Parteien passen ihr Politikangebot an die Wählernachfrage an. Die Wahlfunktionen enthalten zusätzlich zur Policy-Komponente noch Indikatoren der Valenz (Kompetenz, Integrität etc.) von Parteien bzw. Kandidaten und Langfirstbindungen an Parteien. Ziel des Projekts ist es, auf Basis solcher Wählerfunktionen für verschiedene Bundestagswahlen die Gleichgewichtsdynamik des Parteienwettbewerbs unter den Bedingungen eines gemischten Wahlsystems zu studieren. Reinen Mehrheitswahlsystemen wird eine zentripetale und reinen Verhältniswahlsystemen eine zentrifugale Wettbewerbsdynamik, hier vor allem für Parteien mit geringer Valenz, nachgesagt. Unsere Frage ist, wie Wähler von den zwei Stimmen eines gemischten Wahlsystems Gebrauch machen und wie Parteien mit der Möglichkeit sich widersprechender Wettbewerbsdynamiken in den zwei Segmenten eines gemischten Wahlsystems umgehen.

Arbeitsstand: 

Wir analysieren das deutsche Mischwahlsystem bei Bundestagswahlen mit Hilfe eines neo-downsianischen Modells. Wähler und Kandidaten/Parteien richten ihr Handeln (Wahlentscheidung oder Stimmengenerierung) sowohl an der Policy-Distanz als auch an Valenzvorteilen aus, die Kandidaten/Parteien gegenüber ihren Mitbewerbern besitzen. 2017 untersuchten wir die Wettbewerbssituation von Wahlkreiskandidaten bei Bundestagswahlen. Direktkandidaten können bei vorgegebenen politischen Standpunkten ihrer Partei mit Valenzvorteilen wie politischer Kompetenz oder lokaler Verbundenheit punkten, während nationale Parteien in parlamentarischen Systemen Policy-Abweichungen ihrer Bewerber um ein Mandat zu minimieren versuchen. Unsere Analysen zeigen: Je größer der policy-unabhängige Valenzvorteil einer Partei bzw. eines Kandidaten, desto eher werden Politiken in der Nähe des Medianwählers angeboten. Parteien/Kandidaten mit Valenznachteilen können mit extremeren Standpunkten mehr Stimmen gewinnen.

Fact sheet

Finanzierung: 
DFG
Laufzeit: 
2012 bis 2018
Status: 
laufend
Datenart: 
Deutsche Bundestagswahlstudien seit 1980
Geographischer Raum: 
Deutschland

Veröffentlichungen

Bücher

Kurella, Anna-Sophie (2017): Issue Voting and Party Competition. The Impact of Cleavage Lines on German Elections between 1980-1994. Cham: Springer. [Contributions to Political Science] mehr