Räumliche Modelle der Parteienkonkurrenz angewandt auf Bundestagswahlen

Fragestellung/Ziel: 

Räumliche Modelle des Stimmenwettbewerbs der Parteien werden auf Politikräume angewandt, die von den wichtigen Themen einer Wahl in der Form von Issue-Dimensionen aufgespannt werden. In diesen Politikräumen entscheiden sich Wähler für Parteien oder Kandidaten, die ihnen politisch nahe stehen, und die Parteien passen ihr Politikangebot an die Wählernachfrage an. Die Wahlfunktionen enthalten zusätzlich zur Policy-Komponente noch Indikatoren der Valenz (Kompetenz, Integrität etc.) von Parteien bzw. Kandidaten und Langfirstbindungen an Parteien. Ziel des Projekts ist es, auf Basis solcher Wählerfunktionen für verschiedene Bundestagswahlen die Gleichgewichtsdynamik des Parteienwettbewerbs unter den Bedingungen eines gemischten Wahlsystems zu studieren. Reinen Mehrheitswahlsystemen wird eine zentripetale und reinen Verhältniswahlsystemen eine zentrifugale Wettbewerbsdynamik, hier vor allem für Parteien mit geringer Valenz, nachgesagt. Unsere Frage ist, wie Wähler von den zwei Stimmen eines gemischten Wahlsystems Gebrauch machen und wie Parteien mit der Möglichkeit sich widersprechender Wettbewerbsdynamiken in den zwei Segmenten eines gemischten Wahlsystems umgehen.

Arbeitsstand: 

Zum besseren Verständnis der Erststimmenwahl sammelten wir Informationen über die Wahlkreisbewerber einmal für die Bundestagswahl 2013 (Geburtsort, Wohnort, Beruf, politische Karriere etc.) und einmal für alle Direktkandidaten der Bundestagsparteien seit 1949 (Parteizugehörigkeit, MdB-Karriere). Mit dem 2013er Datensatz weisen wir nach, dass die Inhaber des Wahlkreismandats und ihre Parteinachfolger, ausgezeichnet besonders durch lokale Verbundenheit, Erststimmen-Boni gewinnen, nicht aber die indirekten Amtsinhaber (Listen-MdBs, die als Herausforderer kandidieren), denen lokale Verbundenheit weitgehend fehlt. Das Langzeit-Panel erlaubt uns zum ersten Mal, einen persönlichen Amtsbonus zu schätzen. Dabei handelt es sich um einen Bonus bei den Erststimmen, den ein Abgeordneter allein der Tatsache zu verdanken hat, dass er das Wahlkreismandat schon innehat. Eine solche Schätzung hat es bisher noch nicht gegeben, auch nicht für das sonst besonders gut erforschte amerikanische Wahlsystem.

Fact sheet

Finanzierung: 
DFG
Laufzeit: 
2012 bis 2018
Status: 
laufend
Datenart: 
Deutsche Bundestagswahlstudien seit 1980
Geographischer Raum: 
Deutschland

Veröffentlichungen