RISS CoRE – Konzeptualisierung von Rekonfiguration für die empirische Forschung

Fragestellung/Ziel: 

Dieses Projekt nimmt eine besondere Rolle innerhalb der Forschungsgruppe „Rekonfiguration und Internalisierung von Sozialstruktur“ (RISS) ein. Basierend auf den im RISS-Rahmenantrag formulierten Zielen, wird es einen konzeptuellen Rahmen ausarbeiten, der die verschiedenen RISS-Einzelprojekte miteinander verknüpft. Gleichzeitig werden die zentralen theoretischen Konzepte und Mechanismen zur Analyse der Rekonfiguration der Sozialstruktur und deren Internalisierung in einem innovativen empirischen Ansatz verankert.

Vor diesem Hintergrund lassen sich drei zentrale Projektziele formulieren. Das erste Ziel ist die Weiterentwicklung einer multidimensionalen Perspektive auf die Rekonfiguration und Internalisierung der Sozialstruktur. Dazu werden in einer theoretisch-konzeptuellen Analyse die Konzepte der Statusinkonsistenz und der „Cross-cutting Cleavages“ (gruppenübergreifende soziale Spannungsverhältnisse und Konfliktlinien) mit Hilfe des Konzepts der sozialen Identität in einem multidimensionalen Makro-Meso-Mikro Rahmen der Sozialstruktur integriert. Eine Simulationsstudie untersucht die theoretischen Implikationen dieses konzeptuellen Rahmens hinsichtlich der sozialen Identifikation von Individuen mit der Gesamtgesellschaft und mit gesellschaftlichen Teilgruppen.

Das zweite Ziel ist die Koordination und Organisation der Erhebungen des RISS Reconfiguration Data Set und des RISS Internalization Survey. Diese Datensätze sollen es ermöglichen, die Rekonfiguration und die Internalisierung der Sozialstruktur aus einer multidimensionalen Perspektive zu untersuchen. Der RISS Reconfiguration Data Set wird Informationen zur multidimensionalen Rekonfiguration der Sozialstruktur Deutschlands von 1980-2020 auf der Makro-Ebene aus Sekundärdaten extrahieren und zusammenzuführen. Der RISS Internalization Survey wird Daten erheben, die es erlauben zu untersuchen, wie Individuen die rekonfigurierte Sozialstruktur internalisieren. Dafür wird eine Querschnittserhebung unter einer statistisch repräsentativen Stichprobe der deutschen Bevölkerung sowie ausgewählten theoretisch interessanten Zielgruppen durchgeführt. Neben gängigen Informationen zur sozio-ökonomischen Position liegt der Schwerpunkt der Befragung auf innovativen Instrumenten zur Messung der sozialen Identität.

Das dritte Ziel ist die empirische Überprüfung zentraler inhaltlicher Annahmen des RISS-Rahmenantrags anhand der erhobenen Datensätze. Während die anderen RISS Einzelprojekte dem konzeptuellen Rahmen Tiefe und Validität verschaffen, indem sie ausgewählte Themen oder gesellschaftliche Sphären untersuchen, widmet sich dieses Projekt den RISS-Thesen aus einer übergeordneten Perspektive. Es analysiert anhand des RISS Reconfiguration Data Set die multidimensionale Transformation der Deutschen Sozialstruktur. Internalisierungsmechanismen werden anhand eines im RISS Internalization Survey implementierten Conjoint-Experiments untersucht.

Arbeitsstand: 

Das Projekt ist im Oktober 2021 angelaufen und hat erfolgreich eine Doktorandin rekrutiert. Wir haben mit der Datenaufbereitung des deutschen Mikrozensus 1980–2016 begonnen und erste deskriptive Analysen des multidimensionalen sozialstrukturellen Wandels in Deutschland erstellt. Diese Ergebnisse wurden bereits auf der Jahrestagung der Akademie für Soziologie vorgestellt. Derzeit erstellen wir einen systematischen Überblick über multidimensionale Konzepte der Sozialstruktur in den Sozialwissenschaften und entwerfen einen neuartigen experimentellen Ansatz zur Messung sozialer Identifikation.

Fact sheet

Finanzierung: 
DFG
Laufzeit: 
2021 bis 2025
Status: 
laufend
Datenart: 
Surveydaten, experimentelle Evidenz
Geographischer Raum: 
Deutschland

Veröffentlichungen