Der Wandel von Familie, Arbeitsmarkt und Sozialstaat eröffnet Chancen, erhöht aber auch Risiken sozialer Exklusion für benachteiligte Bevölkerungsgruppen. Familien sind davon stärker betroffen als Alleinstehende und Paare ohne Kinder. Zum einen ist ihr Bedarf höher, zum andern können sie weniger flexibel auf steigende Erfordernisse am Arbeitsmarkt reagieren, weil sie Betreuungsaufgaben erfüllen müssen. Im geplanten Projekt liegt das Augenmerk auf Familien in schwierigen Lebenslagen: (1) Geringqualifizierte Familien mit Kindern; (2) Alleinerziehende; (3) Niedriglohnempfänger mit Kindern; (4) Langzeitarbeitslose und Sozialhilfeempfänger mit Kindern. Hierbei steht die Frage im Mittelpunkt: Durch welche Kombinationen von Hilfeleistungen, die sich auf sozialen Schutz und/oder auf Erwerbsbeteiligung richten, kann diesen Familien eine gesellschaftliche Teilhabe und zugleich ein angemessener Lebensstandard ermöglicht werden? Diese Frage soll anhand eines Vergleichs von Deutschland mit Dänemark, Großbritannien, den Niederlanden und Frankreich untersucht werden. Dänemark gilt als Pionierland aktivierender Sozialpolitik und auch als Vorbild für eine ausgebaute Familienpolitik mit hohem Dienstleistungsangebot. Großbritannien wird zwar in der deutschen Diskussion oft als „negatives“ Beispiel gesehen, aber in den letzten Jahren wurden dort durchaus Erfolge in der Reduktion der Kinderarmut erzielt. Für Deutschland ist der britische Vergleichsfall auch deshalb interessant, weil die Entwicklungen in beiden Ländern einige Parallelen aufweisen, zum Beispiel eine niedrige Erwerbsbeteiligung von Müttern und eine große Bedeutung des Familienernährermodells. Frankreich und die Niederlande gehören wie Deutschland historisch zu den konservativen Wohlfahrtsstaaten, haben aber unterschiedliche Entwicklungspfade beschritten. Frankreich hat sich in der Familienpolitik den skandinavischen Ländern angenähert, die Niederlande haben hingegen eine „liberalere“ Richtung eingeschlagen und setzen vermehrt auf Aktivierung. Aufgrund dieser unterschiedlichen Entwicklungen sind diese Länder für den Vergleich mit Deutschland besonders interessant, denn aus den verschiedenen Politikmustern lassen sich unterschiedliche Folgen für die Lebenslage familiärer Risikogruppen erwarten.