Wo befindet sich meine Partei? Determinanten der ideologischen Verortung politischer Parteien durch die Wählerschaft

Fragestellung/Ziel: 

Die erste Projektphase (2015-2018) widmete sich der Frage, warum Wähler manche Parteien leichter im politischen Raum verorten können als andere. Für die Wahlentscheidung ist letzten Endes nicht entscheidend, welche Positionen Parteien tatsächlich einnehmen, sondern wie Bürger diese Parteipositionen wahrnehmen. In Übereinstimmung mit unserem theoretischen Argument ergab sich empirisch, dass das Parteiverhalten in der Tat die Perzeptionen der Wähler beeinflusst. Zudem konnten wir zeigen, dass die Schwerpunktsetzung der Parteien im Wahlkampf gut mit ihrer längerfristigen programmatischen Ausrichtung übereinstimmt, ein positiver Befund für die Funktionsweise repräsentativer Demokratie.
Das Hauptziel der zweiten Projektphase (ab 2019) besteht in einer Analyse des Parteienwettbewerbs in Mehrparteiensystemen während der Legislaturperiode. Im Mittelpunkt steht ein Vergleich zwischen den während des Wahlkampfs vertretenen Positionen mit denjenigen, die Parteien nach der Wahl einnehmen. Daher betrachten wir vor allem die ersten zwei Jahre einer Legislaturperiode.
Wir analysieren die Interaktion zwischen Parteien, indem wir untersuchen, wie Parteien ihre eigenen Inhalte kommunizieren und auf andere Parteien reagieren. Als Quelle dienen unter anderem Pressemitteilungen aus zehn europäischen Ländern. Diese werden mit Daten zur Berichterstattung über Parteipositionen in Medien aus drei Ländern (Deutschland, Spanien und Großbritannien) ergänzt.
Das Projekt analysiert Parteikommunikation sowohl als abhängige Variable als auch als Faktor, der das Abschneiden von Parteien in Umfragen und subnationalen Wahlen beeinflusst. Wir untersuchen (a) unter welchen Bedingungen Parteien ihre Positionen aus dem Wahlkampf verändern und (b) wie Wähler auf solche Änderungen reagieren. In diesem Zusammenhang betrachten wir auch zwei moderierende Variablen, die Art des Politikfeldes und Regierungs-/Oppositionsstatus.
Die Rohdaten für unsere Analysen stammen aus Zeitungsartikeln, Pressemitteilungen sowie Ergebnissen sub-nationaler Wahlen und Umfragen.

Arbeitsstand: 

Die zweite Projektphase begann mit einem Workshop am MZES, der unter anderem neue Länderexperten in das Projektteam aufnahm. Das Codierschema für die Inhaltsanalyse wurde überarbeitet, neue wissenschaftliche Hilfskräfte wurden in 10 Ländern trainiert und codieren derzeit Presseartikel. Jedes Länderteam sammelt zudem die Pressemitteilungen der im Parlament vertretenen Parteien.

Fact sheet

Finanzierung: 
DFG
Laufzeit: 
2015 bis 2021
Status: 
laufend
Datenart: 
Wahlstudien, Medienanalysen, Expertenbefragung, Wahlprogrammanalysen
Geographischer Raum: 
Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Niederlande, Polen, Portugal, Schweden, Spanien, Tschechische Republik, Ungarn

Veröffentlichungen