Wohnungssuche und Wohnortwahlen
Ziel des Projektes ist die Erklärung ungleicher Wohnortwahlen ethnischer und sozialer Gruppen in Deutschland. Die Position eines Haushaltes auf dem Wohnungsmarkt ist ein zentraler Aspekt der Integration seiner Mitglieder in eine Gesellschaft und wirkt sich auf ihre Lebenschancen aus. Während zahlreiche Studien Hinweise auf Ursachen räumlicher Konzentration entlang ethnischer oder sozialer Dimensionen auf der Makroebene geben, ist die Wohnortwahl einzelner Haushalte als zugrunde liegender Prozess weitgehend unerforscht. Ausgangspunkt der Untersuchung bildet eine allgemeine theoretische Modellierung zur Erklärung von Wohnungs- und Wohnortwahlen. Es wird davon ausgegangen, dass Wohnortwahlen das Ergebnis mehrerer Prozesse sind, die von der Ausstattung des Haushalts mit ökonomischen, sozialen und kulturellen Ressourcen abhängen. So ziehen Haushalte von vorneherein nur eine begrenzte Anzahl an Wohnungen und Wohnstandorten in Betracht, unterscheiden sich in der Art ihrer Wohnungssuche und können Wohnungspräferenzen in unterschiedlichem Ausmaße verwirklichen. Systematische Unterschiede in den verschiedenen Schritten der Wohnungs- und Wohnortwahl lenken die abschließende Entscheidung bereits in eine bestimmte Richtung und können für qualitative und räumliche Unterschiede verantwortlich sein. Das entwickelte Modell soll im Projekt empirisch überprüft werden. Dazu wird eine mittelgroße Stadt in Deutschland ausgewählt, in der Haushalte zu realisierten und geplanten räumlichen Veränderungen befragt werden sollen. Insbesondere soll die Frage beantwortet werden, ob ethnische Unterschiede auf unterschiedliche Ressourcenausstattung zurückzuführen sind oder ob darüber hinaus ethnische Präferenzen, wahrgenommene Diskriminierung und unterschiedliche Suchstrategien eine Rolle spielen.
Die Datenerhebung wurde 2012 abgeschlossen. Dazu wurden 1.600 face-to-face Interviews mit türkeistämmigen und deutschen Haushalten in Mannheim durchgeführt. Die Befragung wurde mit einer Haushaltsbezugsperson sowie weiteren Haushaltsmitgliedern geführt und beinhaltet einen Event History Kalender. Weiterhin wurden kleinräumige Daten über die einzelnen Wohngebiete gesammelt. Diese werden gegenwärtig aufbereitet und analysiert.
