Zur Frage der Selbstverpflichtung rationaler Akteure in internationalen Umweltverhandlungen – Das Rätsel der Selbstregulierung in der europäischen Umweltpolitik | Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung

Zur Frage der Selbstverpflichtung rationaler Akteure in internationalen Umweltverhandlungen – Das Rätsel der Selbstregulierung in der europäischen Umweltpolitik

Fragestellung/Ziel: 

In diesem Forschungsprojekt untersuchen wir die strategische Bedeutung von Information in internationalen Umweltverhandlungen. Während Information in klassischen entscheidungstheoretischen Fragestellungen stets positive Wohlfahrtseffekte hervorbringt, kann Information im Falle strategischer Interdependenz den sozialen Nutzen einer Gesellschaft reduzieren. Um diesen Effekt im Kontext international Kooperation besser zu verstehen, entwickeln wir zwei spieltheoretische Modelle und testen daraus abgeleitete Hypothesen empirisch mit Daten zum Kyoto Protokoll. In beiden spieltheoretischen Modellen können Staaten globale CO2 Emissionen reduzieren, unterscheiden sich aber ex post in den daraus resultierenden Grenznutzen. Das erste Modell nimmt an, dass die Staaten unitary actors sind, während die zweite Modellklasse explizit nationale Wähler als handelnde Akteure hinzufügt, die eine Wahlentscheidung über ihre Regierung treffen können. Auf Basis dieser Analysen können wir zeigen, dass ohne nationalen Wählerwettbewerb steigende Informationsniveaus internationale Kooperation unmöglich machen, falls die beiden Staaten hinsichtlich ihrer Grenznutzen zu unterschiedlich sind. Im Gegensatz hierzu lässt das Wählermodell den Schluss zu, dass internationale Kooperation in demokratischen und schlecht informierten Staaten aufrechterhalten werden kann. Das Potential internationaler Kooperation zwischen demokratischen Staaten reduziert sich allerdings mit steigenden Informationsniveaus. Staaten, die nur in geringem Ausmaß von CO2 Reduktion profitieren und deren Wähler dies wissen, werden sehr kostenintensive Politikmaßnahmen zur Reduktion von Treibhausgasen nicht mittragen. Anhand einiger Simulationen illustrieren wir diesen Effekt und zeigen, dass bessere Information in der Tat negative soziale Wohlfahrtseffekte für ein breites Spektrum an Parameterkonstellationen haben kann. Empirisch testen wir insbesondere unsere Hypothese, dass internationale Kooperation in Demokratien mit steigendem Informationsniveau sinkt. Hierfür verwenden wir Zeitreihendaten mit binärer abhängiger Variable für das Ratifikationsverhalten von Staaten ebenso wie parametrische und semi-parametrische Ereignisdatenmodelle. Für 189 Staaten, die das Kyoto Protokoll ratifiziert haben, finden wir den von uns postulierten Effekt in den Daten wieder: Demokratien ratifizieren zwar schneller als autokratische Länder, aber dieser Effekt wird kleiner, je besser Wähler informiert sind. Wir können daher theoretisch und empirisch zeigen, dass Information in strategischem Kontext negative Folgen für die soziale Wohlfahrt haben kann.

Fact sheet

Finanzierung: 
CDSS, Studienstiftung des Deutschen Volkes
Laufzeit: 
2008 bis 2011
Status: 
beendet
Datenart: 
Makrodaten, EU Daten, Umweltdaten
Geographischer Raum: 
Europa

Veröffentlichungen