Bundestagskandidaten und Einwanderungspolitik: Eine Analyse zentraler Policy-Aspekte | Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung

Andreas M. Wüst
Bundestagskandidaten und Einwanderungspolitik: Eine Analyse zentraler Policy-Aspekte

Zeitschrift für Politikwissenschaft, 2009: 19, Heft 1, S. 77-105
ISSN: 1430-6387

Politiker, die sich um ein Mandat im Deutschen Bundestag bewerben, sollten Lösungsangebote für gegenwärtige und künftige Herausforderungen der Gesellschaft anbieten. Zu den Themen, die in absehbarer Zukunft größere Bedeutung erlangen werden, gehören einerseits Regelungen der Einwanderung aus ökonomischen und demografischen Gründen, andererseits Vorstellungen über das Zusammenleben in einer zunehmend multiethnischen Gesellschaft. Die meisten Bundestagskandidaten des Jahres 2005 sind Einwanderungsregelungen gegenüber aufgeschlossen, wünschen sich aber einen gewissen Grad an kultureller Assimilation. Neben der ideologischen Grundorientierung, die sich zu einem Teil bereits durch die Parteizugehörigkeit ergibt, sind Einstellungen zu Globalisierung und Gleichstellung für die Erklärung unterschiedlicher Haltungen zu Einwanderungsregelungen und der Forderung nach kultureller Anpassung von Bedeutung. Darüber hinaus unterscheiden sich die Haltungen signifikant nach Alter, Bildungsgrad, Kirchgangshäufigkeit und Wohnort. Individuelle, soziale und kontextuelle Faktoren beeinflussen demnach die Haltungen der Politiker. Schließlich spielt die Wahrnehmung von Problemen, die einen Bezug zu Einwanderung und Assimilation haben, für die Positionierung der Kandidaten eine ergänzende Rolle. Im Vergleich zu älteren Kandidaten zeigen sich die Jüngeren in FDP, Grünen und Linkspartei aufgeschlossener gegenüber Einwanderung und kultureller Vielfalt. Bei den Volksparteien bewegt sich vergleichsweise wenig.