Ethnische Bildungsungleichheit in der frühen Kindheit: Ergebnisse aus dem Projekt ESKOM-V | Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung

Birgit Becker
Ethnische Bildungsungleichheit in der frühen Kindheit: Ergebnisse aus dem Projekt ESKOM-V

Frühe Bildung, 2012: 1, Heft 3, S. 150-158
ISSN: 2191-9186

Viele Studien haben in Deutschland die Existenz ethnischer Bildungsungleichheit auf verschiedenen Stufen im deutschen Bildungssystem nachgewiesen. Die Grundlage dafür wird jedoch wahrscheinlich schon in der Zeit vor Schulbeginn gelegt. Das DFG-Projekt „Erwerb von sprachlichen und kulturellen Kompetenzen von Migrantenkindern in der Vorschulzeit“ (ESKOM-V) beschäftigt sich mit ethnischen Unterschieden in der frühen Bildung. In diesem Längsschnittprojekt wurden ca. 1000 Kinder ab dem 3. Lebensjahr bis zum Beginn der Schulzeit regelmäßig verschiedenen standardisierten Tests unterzogen und ihre Eltern jeweils in persönlichen Interviews befragt, wobei etwa die Hälfte der Familien einen türkischen Migrationshintergrund hat. Der vorliegende Beitrag gibt einen Kurzüberblick über das Projekt ESKOM-V und stellt einige zentrale Ergebnisse zu ethnischen Unterschieden im Bereich der frühen Bildung vor. Dabei wird insbesondere auf die Bildungsinstitution Kindergarten eingegangen. Es zeigt sich, dass Kinder mit türkischem Migrationshintergrund im Durchschnitt etwas später den Kindergarten beginnen und auch Kindergärten mit ungünstigeren Lernbedingungen besuchen als deutsche Kinder. Ethnische Kompetenzunterschiede sind bereits im Alter von drei Jahren festzustellen, insbesondere im Bereich der deutschen Sprachfähigkeiten. Der Kindergartenbesuch hat bei türkischstämmigen Kindern einen positiven Einfluss auf den Erwerb der deutschen Sprache, wobei es jedoch auch auf die konkreten Rahmenbedingungen in den Einrichtungen ankommt.