Ethnische Kundenpräferenz im professionellen Sport? Der Fall der Bundesliga | Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung

Frank Kalter
Ethnische Kundenpräferenz im professionellen Sport? Der Fall der Bundesliga

Zeitschrift für Soziologie, 1999: 28, Heft 3, S. 219-234

Der bezahlte Sport stellt für die Diskriminierungsforschung eine besondere Herausforderung dar. Da die Konkurrenz und das Leistungsprinzip in besonderer Weise betont werden, sollten Benachteiligungen aufgrund von askriptiven Merkmalen hier klassischen Ansätzen zufolge besonders unwahrscheinlich sein. Vor allem im US-amerikanischen Profisport wurde die Existenz von Diskriminierung auf dem Spielermarkt jedoch immer wieder nachgewiesen. Neuere Studien führen dies zunehmend auf ethnische Vorlieben der Sportzuschauer, auf das Phänomen einer sogenannten Kundendiskriminierung, zurück. Anhand von Daten über Leistungscharakteristiken von Fußball-Bundesligaspielern und deren Beliebtheit unter den Anhängern eines Vereins wird in diesem Beitrag überprüft, ob sich auch in der Bundesrepublik ethnische Kundenpräferenzen feststellen lassen, die Sportler ausländischer Herkunft betreffen. Es zeigt sich, daß die Fans in erster Linie an der Leistung eines Spielers orientiert sind. Darüber hinaus lassen sich jedoch auch zusätzliche nationalitätenspezifische Effekte ausmachen: Westeuropäische und vor allem südamerikanische Spieler sind im Vergleich zu ihren deutschen Kollegen beliebter. Während sich im Hinblick auf die Spieler afrikanischer Herkunft keine Unterschiede zu den deutschen Spielern feststellen lassen, sind die Osteuropäer die deutlich unbeliebteste Teilgruppe.