A Constitution for Europe? | Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung

Beate Kohler-Koch
A Constitution for Europe?

Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung: Arbeitspapiere; 8
Mannheim
,
MZES
,
1999
ISSN: 1437-8574

The latest series of European summits leaves us with a puzzle: on the one hand, they hint at a development of the EU towards an "ever closer Union", on the other hand, they reveal a "piecemeal culture", provoking critique and the demand for an encompassing institutional reform proposal. Among the strategic recommendations is the suggestion to draw a constitution for the EU. While at first sight this looks like a struggle between optimists and sceptics of European integration, it is a debate that goes into two different dimensions. First, the debate is about the formation of a European state, second, it is about an adequate constitutional structure. Communication about possible options is difficult since they are based on hypothetical presumptions on the future developments of the EU and they draw on different institutional models.
The present paper is an elaborated version of a presentation at the annual meeting of the Swedish graduate colloquium for Political Science at Göteborg in April 1999. It will be published in Swedish in the yearbook "Europaperspektiv. Arsbok 2000", edited by Sverker Gustavsson, Stockholm. The elaboration of the presentation was promoted by a visiting research fellowship at the Research Institute for International Affairs, Ebenhausen, in summer 1999.

Die jüngste Serie von europäischen Regierungskonferenzen vermittelt einen höchst ambivalenten Eindruck: Zum einen können sie als Indiz für die gesunde Fortentwicklung der EU zu "einer immer engeren Union" gewertet werden, zum anderen manifestiert sich in ihnen eine "Stückwerk" Kultur, die Kritik und die Forderung nach einem großen institutionellen Reformentwurf provoziert. Zu den Strategieempfehlungen gehört der Vorschlag, der Europäischen Union eine Verfassung zu geben. Was von außen betrachtet wie ein Tauziehen zwischen Europa-Optimisten und Europa-Skeptikern ausschaut, ist bei näherem Hinsehen eine Debatte mit doppeltem Boden. Zum einen geht es um die "Staatswerdung" der EU und zum anderen um die ihr angemessene Verfassungsordnung. Die Verständigung über mögliche Optionen ist schwierig, weil sie notgedrungen auf spekulativen Annahmen über die Zukunftsentwicklungen der EU aufbauen und konkurrierende institutionelle Modelle herangezogen werden.
Der Beitrag beruht auf einem Vortrag in Göteborg im April 1999 anläßlich der Jahrestagung des schwedischen Graduiertenkollegs der Politikwissenschaft. Er wird in schwedischer Übersetzung im Jahrbuch "Europaperspektiv. Arsbok 2000", herausgegeben von Sverker Gustavsson, bei Nerenius & Santerus in Stockholm erscheinen. Die Ausarbeitung des Vortrags wurde durch einen Gastaufenthalt in der Stiftung Wissenschaft und Politik im Sommer 1999 gefördert.