A1 Institutionen gesellschaftlicher Integration: Märkte, Organisationen und Wohlfahrtsstaaten

Moderne Wirtschaftssysteme und Wohlfahrtsstaaten sind mit globalen und sozio-ökonomischen Veränderungen konfrontiert. Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise von 2008 ziehen weiteren wohlfahrtsstaatlichen Reformbedarf nach sich. Obwohl diese Herausforderungen sehr ähnlich für alle modernen Wirtschaftssysteme erscheinen, variieren die historisch gewachsenen Wohlfahrtsregime, die Verhältnisse zwischen Staat und Gesellschaft sowie die Wirtschaftssysteme innerhalb der europäischen und der OECD-Länder erheblich.

Die Wechselwirkungen zwischen Markt- und Sozialordnung sowie zwischen Produktions- und Sicherungssystemen stehen im analytischen Fokus dieses Forschungsschwerpunktes. Der theoretische Ausgangspunkt ist die Prämisse, dass soziales Handeln in spezifische soziale und institutionelle Kontexte eingebettet ist, die Handlungsoptionen und Handlungsbeschränkungen strukturieren. Möglichkeiten der Koordination, Information und Einflussnahme werden von Netzwerken geprägt, die Individuen und Akteure aus der Wirtschaft miteinander verbinden. Der institutionelle Wandel von Wirtschaftssystemen und die Reformen des Wohlfahrtsstaates setzen darüber hinaus einerseits die gesellschaftliche Unterstützung durch kollektive Akteure und Individuen voraus und verändern anderseits deren soziale Beziehungen und Lebensbedingungen. Diese institutionellen Unterschiede und Reformen der Wohlfahrtsstaaten und Wirtschaftssysteme ziehen schließlich unmittelbare und langfristige Konsequenzen für die Lebenschancen von Individuen, sozialen Gruppen und Familien nach sich.
Der Forschungsschwerpunkt A1 vereint Projekte, die Marktprozesse oder staatliche sozialpolitische Interventionen in vergleichender Perspektive analysieren und dabei häufig makroinstitutionelle Indikatoren und Mikrodaten verbinden. Eine grundlegende Forschungsfrage widmet sich der sozialen und zivilgesellschaftlichen Unterstützung für marktwirtschaftliches und wohlfahrtsstaatliches politisches Handeln, das Veränderungen der Marktprozesse mit sich bringt. Ein hiermit verbundenes zweites großes Thema ist die Analyse der Bedingungen und Prozesse der Reformen des Wohlfahrtsstaates und der Vermarktlichung. Schließlich beinhaltet die Forschungsagenda auch die Auseinandersetzung mit den Folgen der veränderten Produktions- und Sozialsicherungssysteme für die Lebenschancen und sozialen Beziehungen in Europa und anderen entwickelten Gesellschaften.