Universität Mannheim trauert um den Soziologen Professor Dr. Dr. h.c. M. Rainer Lepsius

Mario Rainer Lepsius, 1928 in Rio de Janeiro geboren und aufgewachsen in München, studierte ab 1947 Geschichte, Volkswirtschaftslehre und Soziologie an den Universitäten München und Köln. 1950 schloss er das Studium an der Universität München als Diplom- Volkswirt ab und wurde dort 1955 promoviert. Nach einem Jahr an der Columbia University New York war er wissenschaftlicher Assistent am Institut für Soziologie der Universität München und wurde dort 1963 habilitiert. Noch im selben Jahr folgte er einem Ruf als Ordinarius für Soziologie an die damalige Wirtschaftshochschule Mannheim. Er war wesentlich an der Entwicklung der Grundordnung der 1967 gegründeten Universität Mannheim beteiligt und hat sich bei deren Implementierung um die Universität Mannheim verdient gemacht. Von 1971 bis 1974 war er Vorsitzender der deutschen Gesellschaft für Soziologie, die er vor dem Auseinanderfallen bewahrte und in den Jahren seiner Tätigkeit konsolidierte. 1981 wechselte er nach Heidelberg, wo er 1993 emeritiert wurde. Er war Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Akademien und ist Ehrendoktor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Lepsius hatte als Industriesoziologe begonnen, sich jedoch bald der Gesellschaftsanalyse zugewandt. Seine in Mannheim entstandenen Untersuchungen zu den Machtverhältnissen im Deutschen Reich oder zur politischen Ordnung der Bundesrepublik haben ihn über das eigene Fach hinaus bekannt gemacht. Insbesondere sein Begriff der „sozialmoralischen Milieus“ ist bis heute von großer Bedeutung für die Sozialwissenschaften und die Geschichte und wird in jedem kulturpolitischen Grundseminar vermittelt. Seine Arbeiten zu Parteiensystem und Sozialstruktur oder auch seine Anwendung des Weberschen Modells der charismatischen Herrschaft auf den „Führerstaat Adolf Hitlers“ sind bis heute bedeutende soziologische Arbeiten. Dabei war er ein Meister der kleinen Form. Noch immer lesenswerte Beispiele für seine gleichsam brillanten und verdichteten Analysen finden sich etwa in den Sammelbänden Interessen, Ideen und Institutionen (1990) und Demokratie in Deutschland (1993). Als Mitherausgeber einer historisch-kritischen Gesamtausgabe des Werks Max Webers – ein Mammutunternehmen, an dem er seit 1975 vor allem als Editor des immensen Briefwechsels Webers beteiligt war – hat er die Fachwelt reich beschenkt.

Rainer Lepsius verstarb am 2. Oktober 2014 mit 86 Jahren in seinem Haus in Weinheim.