Marc Debus, Martin E. Hansen
Die Dimensionalität der Reichstage der Weimarer Republik von 1920 bis 1932

Politische Vierteljahresschrift, 2010: 51, issue 1, p. 15-42
ISSN: 0032-3470

Auf der Grundlage einer Analyse der namentlichen Abstimmungen im Reichstag der Weimarer Republik wird dessen Dimensionaliät sowie die Positionierung der einzelnen Abgeordneten auf den Dimensionen zwischen 1920 und 1932 analysiert. Basierend auf bisherigen Arbeiten zur Milieugebundenheit der Parteien der Weimarer Republik sowie theoretischen Ansätzen zur Dimensionalität des Abstimmungsverhaltens in Parlamenten werden Erwartungen hinsichtlich der Anzahl sowie der inhaltlichen Beschaffenheit der Konfliktlinien innerhalb des Parlaments aufgestellt, die dann in einer Analyse der namentlichen Abstimmungen, die auf „item response“-Modellen aufbaut, getestet werden. Die Ergebnisse zeigen, dass zwei Dimensionen das Abstimmungsverhalten dominiert haben: dies ist der von wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen determinierte Links-Rechts-Konflikt einerseits sowie der Gegensatz zwischen Befürwortern und Gegnern der parlamentarisch-republikanischen Ordnung andererseits. Zudem können aktuelle zeithistorische Arbeiten, die einen Konflikt innerhalb der Deutschnationalen Volkspartei thematisieren, auf der Grundlage der Positionen einzelner Abgeordneter dieser Partei bestätigt werden.

We analyse the dimensionality and the positioning of parliamentary party groups and single MPs in the parliament (“Reichstag”) of the Weimar Republic on the basis of all recorded votes between 1920 and 1932. On the basis of studies on the milieu-boundedness of German parties and theoretical accounts on the dimensionality of parliaments in general we develop hypotheses regarding the number and characteristics of dimensions that structured voting behaviour in the Weimar Reichstag. The expectations are tested with a full sample of recorded parliamentary votes. The results, which are based on item response models, show that two dimensions structured MP’s decision-making: this is, first, an economic left-right axis and, secondly, a pro vs. contra Weimar Republic dimension. Additionally, our results provide support for recent studies on intra-party conflict inside the German national conservatives.