Jale Tosun, Marc Debus
Parteien, Regierungen und Europäische Integration: Welche Faktoren bestimmen die europapolitischen Positionen nationaler politischer Akteure?

Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft, 2008: 37, issue 3, p. 315-335
ISSN: 1615-5548

Dieser Aufsatz untersucht die europapolitischen Positionen von Parteien und Regierungen in sieben EU-Mitgliedstaaten: Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, den Niederlanden und Österreich. Anhand einer computergestützten Inhaltsanalyse von Wahlprogrammen, Koalitionsabkommen und Regierungserklärungen zeigen wir, dass obwohl die Partei- als auch Regierungspositionen im Zeitverlauf tendenziell europafreundlicher geworden sind, die Einstellungen von Regierungen und Regierungsparteien divergieren. Weiter verdeutlicht unsere Analyse, dass die europapolitische Haltung von Parteien und Regierungen nicht nur durch den allgemeinen ideologischen Hintergrund der politischen Akteure bedingt ist, sondern auch von den jeweiligen Integrationspräferenzen der Wählerschaft abhängt. Somit bestätigt unsere Untersuchung nicht nur die Befunde bereits bestehender empirischer Studien, sondern leistet einen Beitrag zu einem besseren theoretischen Verständnis der Verknüpfung zwischen europapolitischen Partei- und Regierungspositionen.

This paper scrutinizes the positions of member state governments and national political parties towards European integration by using original data on Austria, Belgium, France, Germany, Ireland, the Netherlands and the United Kingdom. The data gathered through the use of the wordscore technique offer two interesting insights: First, while both government and party stances have become more integration-friendly over time, the respective positions of governments and parties tend to diverge. Second, the EU stances of governments and parties is not only determined by ideological factors but also by the preferences of the electorate. In this vein, our study does not only provide additional support for empirical claims made by other scholars but also makes a genuine contribution for a more detailed theoretical understanding of the linkage between EU-related government and party positions.