Marc Debus
Regierungsbildung, Ämterverteilung und Politikinhalte nach der Bundestagswahl 2009: Wer hat sich in der schwarz-gelben Koalition am besten durchgesetzt?

Zeitschrift für Politik, 2010: 57, issue 4, p. 389-412
ISSN: 0044-3360

Neben der Frage nach den Determinanten der parteipolitischen Zusammensetzung ist die Aufteilung der Ämter sowie die inhaltlich-programmatischen Kompromisse ein zentraler Aspekt der Analyse von Koalitionsregierungen. In diesem Aufsatz wird auf Grundlage der Verteilung der Kabinettspositionen sowie der im Koalitionsabkommen formulierten künftigen Politikziele untersucht, ob sich CDU/CSU oder FDP in den Koalitionsverhandlungen 2009 besser durchsetzen konnten. Auf Grundlage des um Informationen zu den Koalitionsaussagen der Parteien erweiterten Modells des »Political Heart« kann die Union als der entscheidende Akteur im Koalitionsbildungs- und verhandlungsprozess 2009 bestimmt werden. Jedoch konnte sich die Union nicht in dem Maße durchsetzen, wie es aufgrund der Modellvorrausage erwartet wurde: im Vergleich zu den in den Wahlprogrammen geäußerten programmatischen Positionen konnte die CDU/CSU ihre Vorstellungen vor allem in wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen in das Koalitionsabkommen einbauen, während dies der FDP im Bereich Gesellschaftspolitik gelang. Hinsichtlich der Ämterverteilung erreichte die Union keinen überdurchschnittlichen Ministeranteil, wohl aber einen in der Gruppe der parlamentarischen Staatssekretäre, die die Christdemokraten zudem in zwei von der FDP kontrollierten Ministerien platzieren konnten.

The question »who gets what?« is one of the central research areas in studies on coalition politics. This paper analyses which party of the new German coalition government between Christian Democrats and Liberals was able to implement its office and policy preferences at most. On the basis of the »Political Heart« model, which is modified in a way that pre-electoral coalition statements of the parties are included, the paper argues that CDU/CSU should be in a pivotal position in the 2009 German coalition formation game as well as in the coalition negotiation process. When evaluating this expectation empirically, there is, however, only mixed evidence for this expectation. CDU and CSU are only able to implement their economic policy positions, but not their societal policy preferences in the negotiated policy agreement. In addition, they did not receive a surpassing share of cabinet portfolios. Yet, Christian Democrats could win a larger number of junior ministers and were additionally able to place two junior ministers as »watch-dogs” in portfolios that were captured by the smaller liberal coalition partner FDP.