Egbert Jahn (Hrsg.)

 
  Nationalismus im spät- und postkommunistischen Europa  
  Band 2 - Nationalismus in den Nationalstaaten vergrößerte Ansicht in neuem Fenster  
   
  657 S., Baden-Baden : Nomos, 2009  
  ISBN 978-3-8329-3921-2  
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Abstract

Der Zusammenbruch der kommunistischen Parteiherrschaft war von einer weithin unerwarteten Renaissance des Nationalismus und Sezessionismus begleitet. Von den neun kommunistischen Staaten Europas blieben nur die fünf Nationalstaaten erhalten. Während die DDR sich mit der BRD vereinigte, lösten sich die drei multinationalen Staaten in 16 hybride Ethnonationalstaaten und zwei Bundesnationalstaaten auf, wobei letztere in ihrem territorialen Bestand gefährdet bleiben. In allen Ländern verbinden sich Staats- und Ethnonationalismus in je eigentümlicher Weise und lassen unterschiedliche Freiräume für subnationale Staatlichkeit und andere Ausdrucksformen ethnischer und nationaler Heterogenität. In diesem Band stellen Experten für je einen unter allen postkommunistischen Staaten die Entfaltung des Nationalismus in der spät- und postkommunistischen Umbruchzeit von 1985-1995 dar, wobei insbesondere das Verhältnis der Titularethnie zum eigenen Ethnonationalismus und zum gesamtstaatlichen Nationalismus unter Einschluss der Minderheiten erörtert werden. Dies hat Einfluss auf den vielfältigen Umgang des Staates und der Mehrheitsparteien mit den Minderheiten, die oft nach eigener Substaatlichkeit oder zumindest Parteiorganisation streben.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Fallstudien zu den postsowjetischen Staaten

Gerhard Simon
Rußländischer Nationalismus von Russen und Nichtrussen

Franz Preißler
Russischer (Ethno-)Nationalismus

Beate Eschment
Die Russen Kasachstans auf der Suche nach ihrer nationalen Identität

Volodymyr Kulyk
Nationalismen in der Ukraine, 1986-1996

Astrid Sahm
Die Republik Belarus - Eigenstaatlichkeit auf Widerruf?

Claus Neukirch
Die Republik Moldau zwischen Unionismus, Moldovanismus und Staatsbürgernationalismus

Mart Laar
Nationales Erwachen in Estland – damals und jetzt

Susanne Nies
Lettland zwischen Nationalismus und Pragmatismus. Die lettische nationale Bewegung und der lettische Nationalismus 1986-96

Barbara Christophe
Kohäsion und Differenz. Nation und Nationalismus in Litauen

Oliver Reisner
Georgien und seine neuere Nationalbewegung

Tessa Hofmann
Von der Irredenta zur Unabhängigkeit und zurück: Armenien und Berg-Karabach von 1986-1997

Raoul Motika
Aserbaidschan-Nationalismus und aseritürkischer Nationalismus

Fallstudien zu den ostmitteleuropäischen Staaten

Peter Tokarski
Politische und sozioökonomische Normalisierung als Chance für den Abbau eines verklärten Nationalismus in Polen

David Čaněk
Tschechischer Nationalismus und ethnische Minderheiten vom Ende der 1980er Jahre bis 1997

Silvia Miháliková
Nationalismus und Minderheitenprobleme in der Slowakei

Éva Petrás/ Norbert Spannenberger
(Dis-)Kontinuitäten des ungarischen Nationalismus im Zeichen der Systemtransformation

Fallstudien zu den südosteuropäischen Staaten

Jože Pučnik
Slowenien: Der Weg zum Nationalstaat

Mojmir Križan
Kroatien: Ein Paradigma des ethnischen Nationalismus

Holm Sundhaussen
Der serbische Nationalismus 1985-1995

Heinz Willemsen/ Stefan Troebst
Schüttere Kontinuitäten, multiple Brüche: Die Republik Makedonien 1987-1995

Michael Schmidt-Neke
Albanien: Der unvollendete Nationalstaat

Ulrich Büchsenschütz
Nationalismus und Demokratie in Bulgarien seit 1989

Mariana Hausleitner
Wettlauf der Patrioten. Nationalismus in Rumänien

Ergänzende Bibliographie

Autorenverzeichnis

Autorinnen und Autoren

Büchsenschütz, Ulrich
Geb. 1965. Associate Director der Unternehmensberatung Control Risks in Deutschland. Mehrere Jahre freier politischer Analyst für Radio Free Europe/ Radio Liberty. Publikationen zur allgemeinen Geschichte Südosteuropas sowie zu Minderheiten und Nationalismus in der Region.

Čaněk, David
Geb. 1974, Absolvent des Comparative Studies Program an der Karls-Universität in Prag, Forschungsstipendien für die Universitäten Wien, Berlin und Budapest. Veröffentlichungen zum tschechischen Nationalismus, insbesondere zur Darstellung von ethnischen Minderheiten in tschechischen Geschichtslehrbüchern nach 1989

Christophe, Barbara
Geb. 1964, Dr. phil. habil, Politikwissenschaftlerin an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Publikationen zu Transformationsprozessen im post-sowjetischen Raum, insbesondere Litauen, Georgien und Kyrgyzstan, und zu ethnischen Konflikten im postsowjetischen Südkaukasus.

Eschment, Beate
Geb. 1960, Dr. phil., wissenschaftliche Mitarbeiterin am Orientalischen Institut der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Publikationen zur Politik und Geschichte Zentralasiens, insbesondere über politische Transformation und Nationalitätenfragen in Kasachstan und Kyrgyzstan.

Hausleitner, Mariana
Geb. 1950, Privatdozentin an der FU Berlin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der Ludwig- Maximilians-Universität München. Publikationen zum Nationalismus im östlichen Europa, Geschichte der nationalen Minderheiten, Holocaust, Stalinismus und Erinnerungskulturen besonders in Rumänien, in der Republik Moldau und Ukraine.

Hofmann, Tessa
Dr. phil., Neuphilologin (Slawistik, Armenistik) und Soziologin; Wissenschaftliche Angestellte am Lehrstuhl für Soziologie des Osteuropa-Instituts der Freien Universität Berlin. Publikationen zur Geschichte, Kultur und Gegenwartslage Armeniens und seiner Diaspora; Geschichte und Gegenwartslage Irlands; ethnische Minderheiten im Nahen Osten und Südkaukasus; Beiträge zur Genozidforschung.

Jahn, Egbert
Geb. 1941, em. Professor für Politische Wissenschaft und Zeitgeschichte an der Universität Mannheim, Leiter des Forschungsschwerpunkts „Neue Demokratien und Konfliktregulierung“ am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung. Publikationen zum Nationalismus im Osten Europas, zu den Ost-West- Beziehungen, der sowjetischen Rüstungs- und Entspannungspolitik, zu Frieden, Friedensbewegung und Friedens- und Konfliktforschung sowie zu aktuellen politischen Streitfragen.

Križan, Mojmir
Geb. 1943, Dr. ing., Dr. disc. pol., Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für biophysikalische Chemie der Max-Planck-Gesellschaft in Göttingen. Publikationen über Kroatien und Theorien der Gerechtigkeit sowie über kulturelle Traditionen und Modernisierung.

Kulyk, Volodymyr
Geb. 1963, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für politische und ethnische Studien, Nationalakademie der Wissenschaften der Ukraine. Publikationen zum gegenwärtigen ukrainischen Nationalismus, zur ukrainischen nationalen Identität, zur Sprach- und Ethnizitätpolitik, zu Sprachideologien und zum Mediendiskurs in der postsowjetischen Ukraine.

Laar, Mart
Geb.1960, Dr., Estnischer Staatsmann und Historiker, Ministerpräsident Estlands von 1992-1994 und von 1999-2002. Gegenwärtig Mitglied desEstnischen Parlaments. Wissenschaftliche Veröffentlichungen über die estnische nationale Bewegung im 19. Jahrhundert, Schlachten des Zweiten Weltkrieges, Aufstände und Anti- Aufstandspolitik auf estnischem Territorium. Politische Veröffentlichungen über internationale Politik, Übergangsgesellschaften, Einheitssteuer und aktuelle politische Themen.

Miháliková, Silvia
Geb. 1952, Professorin für Politische Wissenschaft und Europäische Studien an der Komenius-Universität Bratislava, Direktorin des Instituts für europäische Studien und internationale Beziehungen und des UNESCO Chair for Human Rights Education an der Komenius-Universität, Inhaberin des Jean Monnet Chair in European Integration und Jean Monnet European Center of Excellence an der Fakultät für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften der Komenius-Universität. Publikationen zu den Themen Transformation der postkommunistischen Länder, politische Kultur, Identitätspolitiken, symboliche Politik.

Motika, Raoul
Geb. 1961, Lehrstuhlinhaber für Turkologie an der Universität Hamburg und Direktor des Heidelberger Centrums für Euro-Asiatische Studien e.V. an der Universität Heidelberg (HECEAS e.V.). Publikationen zur Geschichte, Politik und den Religionen der Türkei, Irans, Kaukasiens, Mittelasiens und des Osmanischen Reichs.

Neukirch, Claus
Geb. 1970, Politikwissenschaftler und derzeit Pressesprecher der OSZE-Mission in Moldau. Publikationen zur Republik Moldau, einschließlich des Transnistrienkonflikts, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und zur Konfliktforschung allgemein.

Nies, Susanne
Geb. 1963, Dr. habil., Wissenschaftlerin am Institut Français des Relations Internationales (IFRI), Governance of Energy Programme und Brüssel Büro. Publikationen zu Osteuropa, zur Europäischen Union und zum Regieren von Enklaven der internationalen Beziehungen. Gegenwärtiger Forschungsschwerpunkt: Energiepolitik Europas.

Petrás, Éva
Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung für komparative Erforschung der Minderheiten in Europa (Európai Összehasonlító Kisebbségkutatások Közalapítvány) in Budapest mit Schwerpunkt für Ungarn und die Slowakei. Mitherausgeberin der Zeitschrift Mérleg in Budapest. Publikationen zur Zeitgeschichte, allem voran zur Kirchengeschichte Ungarns und zur Minderheitenproblematik im Donauraum.

Preißler, Franz
Geb. 1965, Doktorand an der J. W. Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Publikationen zu den Chancen der Demokratisierung Rußlands, zum zweiten Tschetschenienkrieg sowie zur Außenpolitik Rußlands. Thema der Doktorarbeit ist die Politik Rußlands in der Frage der russischen Minderheit in Lettland.

Pučnik, Jože
1932-2003, Dr. phil., Soziologe und Politiker, sieben Jahre Haft wegen „häretischer Schriften“ in Jugoslawien, Asyl in Deutschland, Dozent an der Universität Lüneburg von 1971-1989, Präsident der Sozialdemokratischen Partei Sloweniens und Vorsitzender der Demos-Koalition bei den ersten demokratischen Wahlen in Slowenien 1990. Später Mitglied des slowenischen Parlaments. Wissenschaftliche Veröffentlichungen über philosophische und soziologische Themen sowie das Verhältnis von Kultur und Technologie, Autor politischmoralischer Manifeste und gesellschaftskritischer und politischer Kommentare.

Reisner, Oliver
Geb. 1964. Dr. phil., Programmkoordinator des Aufbaustudiengangs "Mittelasien/ Kaukasien" am Zentralasienseminar der Humboldt-Universität zu Berlin (2000- 2003), World Vision Projektmanager eines EU-Projektes in Minderheitenregionen Georgiens (2003-2005), Projektmanager der Delegation der Europäischen Kommission in Georgien (seit Juli 2005). Publikationen zur Geschichte, Politik und Konflikten Georgiens.

Sahm, Astrid
Geb. 1968, Dr. phil., 1994-2000 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Mannheimer Zentrum für Eurpäische Sozialforschung bzw. am Lehrstuhl für Politische Wissenschaft und Zeitgeschichte der Universität Mannheim, 2000-2005 Wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Politische Wissenschaft und Zeitgeschichte an der Universität Mannheim, seit 2006 Direktorin der Internationalen Bildungs- und Begegnungsstätte „Johannes Rau“ in Minsk (Belarus). Publikationen zu Integrations- und Transformationsprozessen und Fragen der nationalen Identitätsbildung in den westlichen GUS-Staaten, zu umwelt- und energiepolitischen Fragen sowie zur Friedens- und Konfliktforschung.

Schmidt-Neke, Michael
Geb. 1956, Dr. phil., Historiker, z.Z. Wissenschaftlicher Mitarbeiter der SPD Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag. Publikationen zur Geschichte und Gegenwart Albaniens.

Simon, Gerhard
Geb.1937, Dr. Phil., Apl. Professor für Osteuropäische Geschichte, Universität zu Köln, Leitender Wissenschaftlicher Direktor am Bundesinstitut für Ostwissenschaftliche und Internationale Studien in Köln a. D. Publikationen zur russischen und sowjetischen Geschichte, insbesondere zu Nationalitätenproblemen und Kirchen in der Sowjetunion, zu Geschichte und Gegenwart der Ukraine, zur postkommunistischen Nations- und Staatsbildung in der Ukraine und in Rußland.

Spannenberger, Norbert
Geb. 1969, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Geisteswissenschaftlichen Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas (GWZO) an der Universität Leipzig, u.a. am Projekt „Intermediäre Organisationen und demokratische Stabilität in Ostmittelund Südosteuropa in der Zwischenkriegszeit (1918-1939/41)“. Publikationen zur Geschichte Ungarns und des Donauraumes, zur griechischkatholischen Kirche in Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa.

Tokarski, Peter
Geb. 1961, gegenwärtig DAAD-Lektor am Institut für Germanistik der Universität Warschau. Publikationen zur Geschichte Polens nach dem Zweiten Weltkrieg und zu den deutsch-polnischen Beziehungen im 19. und 20. Jahrhundert.

Sundhaussen, Holm
Geb. 1942, Ko-Direktor des „Berliner Kollegs für vergleichende Geschichte Europas“ und em. Professor für Südosteuropäische Geschichte am Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin. Publikationen zur Geschichte Südosteuropas im 19. und 20. Jh., insbesondere zu Nations- und Staatsbildungsprozessen, Nationalismus, ethnischen Konflikten sowie zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte.

Troebst, Stefan
Geb. 1955, Osteuropahistoriker und Slavist, Professor für Kulturstudien Ostmitteleuropas an der Philologischen Fakultät der Universität Leipzig und Leitender Wissenschaftler des außeruniversitären Geisteswissenschaftlichen Zentrums Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas an der Universität Leipzig (GWZO). Publikationen zur Wirtschaftsgeschichte Nordosteuropas, zu den internationalen und interethnischen Beziehungen in Südosteuropa, zur Kulturgeschichte Ostmitteleuropas sowie zur europäischen Erinnerungskultur von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart.

Willemsen, Heinz
M.A., Doktorand am Fachbereich Geschichte der Ruhr-Universität Bochum. Veröffentlichungen über die politische Entwicklung und Konflikte in Makedonien