Willi Schnorpfeil  
  Sozialpolitische Entscheidungen der Europäischen Union    
  Modellierung und empirische Analyse kollektiver Entscheidungen des europäischen Verhandlungssystems   vergrößerte Ansicht in neuem Fenster  
   
  347 S., Mannheim, Univ., Diss., 1995; Sozialpolitische Schriften. - Berlin, Duncker & Humblot  
  ISBN 3-428-08651-1 , ISSN 0584-5998  
     
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Inhaltsverzeichnis

Abstract

Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf die Modellierung und empirische Analyse kollektiver Entscheidungen des europäischen Verhandlungssystems im Bereich der Europäischen Sozialpolitik. Es wird die Entstehung und Funktionsweise der Europäischen Union (EU) handlungstheoretisch erklärt und die Entwicklung der Europäischen Sozialpolitik detailliert dargestellt.
Im Mittelpunkt der Studie steht die Analyse von vier Richtlinien des Politikfelds, die sich hinsichtlich der zugrundeliegenden Entscheidungsverfahren und dem Stand der Verabschiedung unterscheiden. Mit der Untersuchung der Richtlinien wird das Ziel verfolgt, den Verhandlungsprozeß der EU zu verstehen und zugleich die Entscheidungsausgänge adäquat zu erklären und zu prognostizieren. Neben der Deskription der Verhandlungsprozesse werden namentliche Abstimmungen des Europäischen Parlaments (EP) untersucht, um den Einfluß der Fraktionen auf die Entscheidungsfindung in der EU herauszuarbeiten. Grundlage der Modellierung der Richtlinien bildet die Berechnung von Machtindizes zwischen den Mitgliedstaaten, der Kommission und dem EP, um einerseits a priori Machtanteile der entscheidenden Akteure der EU zu definieren und andererseits entscheidungsrelevante Koalitionen zu bestimmen. Die Daten für die empirische Analyse der ausgewählten Richtlinien wurden über eine standardisierte Befragung von Vertretern der Mitgliedstaaten, der Kommission und des EP erhoben, um deren Interessen und Positionen bezüglich der Richtlinieninhalte zu ermitteln. Im Modellteil der Arbeit werden anhand dieser Daten verschiedene Tausch­ und Bargaining­Modelle (J. Coleman, J. Nash) angewendet. Ergänzt wird die Analyse durch das koalitionstheoretische Konzept des Kerns zur Untersuchung entscheidender Koalitionen im Kontext von Mehrheitsabstimmungen.
Neben der theoretischen Erklärung der EU und der expliziten Darstellung des Politikfelds der Europäischen Sozialpolitik bietet die Untersuchung eine genaue Analyse des europäischen Verhandlungssystems in bezug auf die zur Anwendung kommenden Entscheidungsverfahren und den Einfluß der beteiligten Akteure in einem föderalen System. Die Modellierung der Entscheidungsverfahren liefert erstmalig eine Erklärung, warum in der EU einstimmige Entscheidungen des Ministerrates selbst dann getroffen werden, wenn Mehrheitsabstimmungen möglich sind, und konkretisiert die Positionen der Kommission und des EP im Rahmen der Entscheidungsprozesse. Auf der Grundlage der Analyse der untersuchten Richtlinien und Entscheidungsverfahren lassen sich fundierte Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung der Europäischen Sozialpolitik und der EU insgesamt ziehen.


Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis

 

A. Einleitung

B. Die EU als korporativer Akteur

C. Die Entscheidungsstruktur der EU

D. Machtverhältnisse und Entscheidungsverfahren in der EU

E. Europäische Sozialpolitik

F. Verhandlungen zur Nachweisrichtlinie

G. Verhandlungen zur Arbeitszeitrichtlinie

H. Verhandlungen zur Entsenderichtlinie

I. Verhandlungen zur Betriebsratsrichtlinie

J. Modellteil

K. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Sachwortregister