Freundschaft und Identität in der Schule

Fragestellung/Ziel: 

Das Forschungsprojekt hatte das übergreifende Ziel, die Mechanismen der Entstehung und des Wandels sozialer Netzwerke und ethnischer und nationaler Identifikationen von Kindern und Jugendlichen besser zu verstehen. In der Annahme, dass sich soziale und emotionale Integration wechselseitig beeinflussen, galt ein besonderes Interesse der empirischen Überprüfung der kausalen Wechselwirkungen zwischen interethnischen Freundschaften und ethnischen Identifikationen. Darüber hinaus sollte erstmalig Aufschluss darüber gegeben werden, wie sich die Stärke ethnischer Identifikationen über den Verlauf der Adoleszenz hinweg entwickelt.Die Schaffung einer Datengrundlage war ein wichtiges Zwischenziel des Projekts. Hierzu wurde zunächst ein Messinstrument zur Erfassung ethnischer und nationaler Identität von Kindern und Jugendlichen entwickelt. Dieses kam dann in einer wiederholten Befragung von über 2.700 Kindern und Jugendlichen aus Schulen in Nordrhein-Westfalen zum Einsatz. Die Schüler*innen wurden dazu über einen Zeitraum von viereinhalb Jahren bis zu sechs Mal in einem Abstand von neun Monaten zu ihren Freundschaften im Jahrgang sowie ihrer ethnischen und nationalen Identifikation befragt.Die zentrale Erkenntnis des Projekts ist, dass emotionale Integration auf soziale Integration wirkt, nicht jedoch umgekehrt. Konkret bedeutet dies, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund, die sich stärker mit Deutschland identifizieren, eher Freundschaften mit Jugendlichen ohne Migrationshintergrund schließen. Solche Freundschaften haben jedoch umgekehrt keinen Einfluss auf die Stärke der Identifikation. Vielmehr zeigt sich, dass Jugendliche die Stärke ihrer eigenen ethnischen Identifikation an die Stärke der ethnischen Identifikation ihrer Freunde aus dem gleichen Herkunftsland angleichen. Für die Auswahl von Freunden ist diese Stärke ebenfalls bedeutsam, da sich Schüler*innen mit dem gleichen Migrationshintergrund nicht per se aufgrund des gleichen Herkunftslandes ihrer Familien miteinander befreunden, sondern nur dann, wenn beide sich damit auch identifizieren. Über den Verlauf der Adoleszenz verringert sich das Ausmaß sowohl der ethnischen wie auch der nationalen Identifikation. Dennoch verbleibt die ethnische Identifikation auf einem hohen Niveau, insbesondere dann, wenn Schüler*innen Diskriminierung aufgrund ihres Migrationshintergrunds erfahren.

Fact sheet

Finanzierung: 
DFG
Laufzeit: 
2008 bis 2020
Status: 
beendet
Datenart: 
Primärdatenerhebung
Geographischer Raum: 
Deutschland

Veröffentlichungen