„Illiberale Demokraten“

Fragestellung/Ziel: 

Das Projekt analysiert die Ursprünge und Konsequenzen des Aufschwungs von „illiberalen Demokraten“: Bürgern mit Sympathien für den abstrakten Begriff der Demokratie, die aber zugleich viele zentrale Werte, Institutionen und Verhaltensweisen ablehnen, die traditionell als notwendige Bestandteile freiheitlicher Demokratie angesehen, ja sogar als ihre konstitutionelle Säule bezeichnet werden. Diese konstitutionelle Säule umfasst verfassungsrechtliche Kontrolle politischer Macht, politische Gleichheit, Redefreiheit und rechtstaatlichen Schutz von individuellen und Minoritäten-Rechten. Dies alles sind nicht nur Kernbestandteile der freiheitlichen Demokratie, sondern zugleich zentrale Prinzipien der Europäischen Union. Die zunehmende Popularität autoritär-demokratischer Werte, die einhergeht mit wachsendem Erfolg populistischer Parteien, stellt die Unterstützung der Europäischen Union in Frage. Dieses Projekt untersucht deshalb die Ursachen und Konsequenzen „illiberal-demokratischer“ Einstellungen und den Zusammenhang zwischen solchen Einstellungen, Parteiprogrammen, der Kommunikation in sozialen Medien, dem Wahlverhalten der Bürger und ihrer Unterstützung für die Europäische Union.

Es ist das Ziel des Projekts „Illiberale Demokraten“ (‚Illiberal Democrats‘, ILLDEM), eine Forschungslücke in der einschlägigen Literatur zu schließen, indem es die Ursachen, Dimensionen und Konsequenzen „illiberal-demokratischer“ Werte für die Zukunft der europäischen Demokratien und für die europäische Einigung untersucht. Im Einzelnen wird ILLDEM die folgenden vier Forschungsfragen beantworten:

  1. Was sind die Erscheinungsformen und Ursachen der Unterstützung für unterschiedliche Bestandteile der freiheitlichen Demokratie in Europa?
  2. Welche Rolle spielen die (neuen sozialen) Medien in diesem Zusammenhang als Forum für „illiberal-demokratische“ Einstellungen?
  3. Welche Mechanismen übersetzen „illiberal-demokratische“ Einstellungen in Unterstützung populistischer Parteien?
  4. Welche Konsequenzen hat der zunehmende Rückhalt „illiberal-demokratischer“ Parteien für die Unterstützung der europäischen Einigung?
Arbeitsstand: 

Eine erste Version der Umfragedaten (European Parliament Election Study 2019, Voter Study) wurde an das GESIS Datenarchiv übergeben (Studiennummer ZA7581) Ein erster Forschungsartikel über den Zusammenhang zwischen illiberalen Bevölkerungseinstellungen und Zustimmung zur Europäischen Union wurde bei der Fachzeitschrift Politics zur Veröffentlichung angenommen; ein zweiter Artikel über die Bedeutung des Brexit für die Zustimmung zur EU hat ein “Revise & Resubmit” bei der Zeitschrift European Union Politics erhalten; und ein dritter Artikel zur Verbindung zwischen illiberalen Einstellungen und der Wahl populistischer Parteien wurde beim Journal of Democracy eingereicht.
Darüber hinaus ist es gelungen, die Verkodung und Analyse der Wahlmanifeste zur Europawahl 2019 und der Kommunikation über die 2019er Wahl in den sozialen Medien im Rahmen des ProConEU-Projektes durch das BMBF zu finanzieren.

Fact sheet

Finanzierung: 
MZES
Laufzeit: 
2018 bis 2021
Status: 
in Vorbereitung
Datenart: 
national repräsentative Bevölkerungsumfragen, Parteiprogramme, Kommunikation in neuen soziale Medien
Geographischer Raum: 
EU

Veröffentlichungen