Koordination sozialer und medizinischer Dienste für ältere Menschen im internationalen Vergleich: wie Organisationen auf Vermarktlichung reagieren

Fragestellung/Ziel: 

Ältere Menschen benötigen häufig sowohl medizinische Dienste als auch Langzeitpflege. Oftmals werden diese Dienste aber nur unzureichend zwischen Gesundheits- und Pflegesystemen koordiniert, mit entsprechend negativen Auswirkungen auf Kosten und Qualität. Für europäische Wohlfahrtsstaaten ergibt sich daraus aufgrund der Alterung der Bevölkerung eine zentrale Herausforderung. In beiden Systemen eingeführte Reformen der Vermarktlichung von Diensten haben diese Koordinationsprobleme in den letzten Jahren massiv verstärkt. Obwohl in allen Ländern verschiedene Lösungsansätze für diese Koordinationsprobleme bekannt sind, ist noch immer unklar, wie und warum sich die europäischen Wohlfahrtsstaaten darin unterscheiden. Das Projekt zielt deshalb auf die systematisch vergleichende Analyse der durch Vermarktlichung verstärkten Koordinationsprobleme an den Schnittstellen zwischen Gesundheits- und Pflegesystemen und auf die durch die dort tätigen Organisationen implementierten Mechanismen zur Lösung dieser Probleme. Wir gehen dabei von einem Zusammenwirken von im internationalen Vergleich variierenden institutionellen Gegebenheiten, Prozessen der Vermarktlichung und organisatorischen Strukturen aus. Durch den systematischen Vergleich sollen typische Koordinationsprobleme und -mechanismen identifiziert und erklärt werden. Zu diesem Zweck analysiert das Projekt 1) die institutionellen Unterschiede zwischen den verschiedenen nationalen Gesundheits- und Pflegesystemen; 2) die Auswirkungen der seit den 2000er Jahren eingeführten Reformen der Vermarktlichung auf die Schnittstellen zwischen Gesundheits- und Pflegesystemen; und 3) die Rolle von Organisationen bei der Bereitstellung unterschiedlicher Lösungsansätze für die Koordinationsprobleme. Wir untersuchen fünf institutionell unterschiedlich verfasste europäische Wohlfahrtsstaaten: Schweden, Deutschland, Polen, die Niederlande und die Schweiz. Dabei stützen wir uns vor allem auf selbst durchgeführte semi-strukturierte Interviews mit Repräsentanten der agierenden Organisationen in den fünf Ländern und nutzen außerdem existierende qualitative und quantitative Datenquellen als Sekundärmaterial.

Arbeitsstand: 

Seit Herbst 2018 arbeitet Mareike Ariaans wieder im Projekt. Dadurch konnten wir mit der empirischen Analyse beginnen, die sich zunächst auf die erste Projektaufgabe konzentrierte, die Entwicklung einer Typologie von Langzeitpflegesystemen in Europa. Die Dimensionen für diese Typologie wurden auf Grundlage unseres konzeptionellen Rahmens und in möglichst großer Übereinstimmung mit bereits existierenden Typologien von Gesundheitssystemen definiert, um Variationen zwischen Langzeitpflege und Gesundheit zu identifizieren. Darüber hinaus hat die quantitative und qualitative Datensammlung und Datenaufbereitung für diese Dimensionen begonnen.

Fact sheet

Finanzierung: 
DFG
Laufzeit: 
2015 bis 2021
Status: 
laufend
Datenart: 
Verschiedene internationale und nationale Datenquellen
Geographischer Raum: 
Deutschland und andere europäische Länder

Veröffentlichungen