Medienvermittelte Auseinandersetzung im internationalen und intermedialen Vergleich

Fragestellung/Ziel: 

Medienvermittelte Auseinandersetzungen stellen wichtige Arenen der Artikulation von Identitäten und Interessen sowie zentrale Rahmenbedingungen für demokratisches Regieren und gesellschaftliche Problembearbeitung dar. Das Projekt zielt darauf ab, die gesellschaftlichen und medialen Bedingungskonstellationen medienvermittelter Auseinandersetzungen zu entschlüsseln und aus der Perspektive unterschiedlicher normativer Demokratietheorien zu bewerten.

In der ersten Phase des Projekts werden die Projektmitarbeiter in einer standardisierten Inhaltsanalyse das Ausmaß, die Struktur, den Inhalt und den Stil medienvermittelter Auseinandersetzungen zum Themenbereich Religion/Säkularismus in sechs Demokratien (USA, Australien, Deutschland, Schweiz, Türkei und Libanon) und drei Medientypen (Tageszeitungen, Nachrichtenwebsites und politische Blogs) untersuchen. Wir werden hierzu Hypothesen zum Einfluss zweier makrosozialer und zweier medialer Kontextbedingungen prüfen. Dazu gehören zum einen die Struktur des politischen Systems (Mehrheits- vs. Konsensdemokratie) und die Tiefe der kulturellen Spaltung (stabiler vs. strittiger Säkularismus), zum anderen das Ausmaß von Antwortmöglichkeiten des Publikums (niedrig bei Tageszeitungen und hoch bei Nachrichtenwebsites und politischen Blogs) sowie die Meinungsorientierung in Medienangeboten (niedrig bei Tageszeitungen und Nachrichtenwebsites und hoch bei politischen Blogs).

In der zweiten Phase des Projekts werden wir diese Untersuchung um eine automatisierte Inhaltsanalyse neuerer nutzergenerierter Formen von medienvermittelten Auseinandersetzungen erweitern. Hierzu vergleichen wir Online-Kommentare auf den Web- und Facebookseiten etablierter Nachrichtenanbieter, auf den Facebookseiten von parteiischen Akteuren und alternativen Richtungsmedien sowie auf Twitter. Das Projekt trägt damit der Tatsache Rechnung, dass Journalisten, politische Akteure und Bürger heutzutage gleichermaßen an medienvermittelten Auseinandersetzungen beteiligt sind. Über die in der ersten Projektphase untersuchten makrosozialen Erklärungsfaktoren hinaus treten in der Fortsetzungsphase zwei alternative Medienfaktoren in den Fokus der Analyse: Dazu gehört zum einen der sogenannte Kontextkollaps, also der Grad, zu dem ein Diskussionsforum öffentliche und private Kontexte miteinander vermischt. Zum anderen werden Diskussionsforen nach ihrer primären Nutzungsfunktion unterschieden: Es wird also danach differenziert, ob die darin geführten Debatten sich eher plural um ein Streitthema drehen (issuegetriebene Diskussion) oder eher Gleichgesinnte zusammenbringen (präferenzgetriebene Diskussion). Das Projekt untersucht in der zweiten Phase insbesondere, wie Kontextkollaps und die primäre Nutzungsfunktion medialer Diskussionsforen das Ausmaß, die Struktur, den Inhalt und den Stil medienvermittelter Auseinandersetzungen prägen.

Arbeitsstand: 

Die empirischen Arbeiten der ersten Projektphase sind weitestgehend abgeschlossen; methodologische sowie inhaltliche Forschungspublikationen befinden sich in der Fertigstellung. Parallel ist der zweite Projektabschnitt erfolgreich angelaufen: Die Erhebung sozialer Netzwerkdaten aus den für die zweite Phase relevanten Untersuchungsländern (USA, Australien, Deutschland und Schweiz) ist abgeschlossen. Auf Basis dieser Daten haben wir erste kontextsensitive Messinstrumente für eine automatisierte Analyse des Stils nutzergenerierter medienvermittelter Auseinandersetzungen entwickelt. Zudem hat die Untersuchung des Inhalts und der Struktur der nutzergenerierten Auseinandersetzungen begonnen.

Fact sheet

Finanzierung: 
DFG
Laufzeit: 
2012 bis 2021
Status: 
laufend
Datenart: 
Quantitative Medieninhaltsdaten (eigene Datenerhebung)
Geographischer Raum: 
USA, Australien, Deutschland, Schweiz, Türkei, Libanon

Veröffentlichungen