Räumliche Modelle der Parteienkonkurrenz angewandt auf Bundestagswahlen

Fragestellung/Ziel: 

Räumliche Modelle des Stimmenwettbewerbs der Parteien werden auf Politikräume angewandt, die von den wichtigen Themen einer Wahl in der Form von Issue-Dimensionen aufgespannt werden. In diesen Politikräumen entscheiden sich Wähler für Parteien oder Kandidaten, die ihnen politisch nahe stehen, und die Parteien passen ihr Politikangebot an die Wählernachfrage an. Die Wahlfunktionen enthalten zusätzlich zur Policy-Komponente noch Indikatoren der Valenz (Kompetenz, Integrität etc.) von Parteien bzw. Kandidaten und Langfirstbindungen an Parteien. Ziel des Projekts ist es, auf Basis solcher Wählerfunktionen für verschiedene Bundestagswahlen die Gleichgewichtsdynamik des Parteienwettbewerbs unter den Bedingungen eines gemischten Wahlsystems zu studieren. Reinen Mehrheitswahlsystemen wird eine zentripetale und reinen Verhältniswahlsystemen eine zentrifugale Wettbewerbsdynamik, hier vor allem für Parteien mit geringer Valenz, nachgesagt. Unsere Frage ist, wie Wähler von den zwei Stimmen eines gemischten Wahlsystems Gebrauch machen und wie Parteien mit der Möglichkeit sich widersprechender Wettbewerbsdynamiken in den zwei Segmenten eines gemischten Wahlsystems umgehen.

Arbeitsstand: 

Das räumliche Modell des Parteienwettbewerbs nach Downs bildet den Ausgangspunkt unserer Erklärung des Wählerverhaltens und des Parteienwettbewerbs bei deutschen Bundestagswahlen. Die personalisierte Verhältniswahl stellt insofern eine besondere Herausforderung dar, als wir sowohl den Kandidatenwettbewerb in lokalen Wahlkreisen nach den Regeln der Mehrheitswahl als auch den nationalen Parteienwettbewerb nach den Regeln der Verhältniswahl berücksichtigen müssen. Nachdem wir die beiden Wahlsystemsegmente bislang separat untersucht haben, analysieren wir jetzt ihre unterschiedlichen Reaktionen auf nationale politische Stimmungen sowie ihre gegenseitige Abhängigkeit. Wir zeigen zum Beispiel, dass Trends der nationalen öffentlichen Meinung einen stärkeren Einfluss auf den Erfolg von Kandidaten in den Wahlkreisen als auf die Zu- und Abnahmen der Parteiergebnisse im Verhältniswahlsegment haben.

Fact sheet

Finanzierung: 
DFG
Laufzeit: 
2012 bis 2020
Status: 
laufend
Datenart: 
Deutsche Bundestagswahlstudien seit 1980
Geographischer Raum: 
Deutschland

Veröffentlichungen

Bücher

Kurella, Anna-Sophie (2017): Issue Voting and Party Competition. The Impact of Cleavage Lines on German Elections between 1980-1994. Cham: Springer. [Contributions to Political Science] mehr