Verantwortliche Terrorismusberichterstattung: Ein globaler Vergleich der Medienberichterstattung über Terrorismus von 1945 bis heute

Fragestellung/Ziel: 

Das Responsible Terrorism Coverage Projekt (ResTeCo) fragt danach, wie Journalistinnen und Journalisten weltweit so verantwortlich über Terrorangriffe berichten können, dass Bürgerinnen und Bürger die Informationen erhalten, die sie benötigen, ohne Terrorgruppen die Art der Aufmerksamkeit zu geben, die sie mit ihren Angriffen erzwingen wollen. Eine Antwort auf diese Frage erfordert vertiefte Analysen historischer und aktueller Trends in der Terrorismusberichterstattung, um Beispiele verantwortlicher Praxis zu Tage zu fördern, die zukünftige Berichterstattungsstrategien informieren können. Das ResTeCo-Projekt wendet dazu automatisierte Textanalyseverfahren auf extrem große Datenbestände an, um 70 Jahre weltweiter Terrorismusberichterstattung zu untersuchen. Das Projekt hat vier Hauptziele:

  1. Einen multidimensionalen normativen Analyserahmen zu entwickeln, der auf drei unterschiedlichen Theorien demokratischer Politik fußt und konkrete Indikatoren dafür bereitstellt, was verantwortliche Terrorismusberichterstattung aus der Sicht der drei Theorieperspektiven jeweils bedeutet;
  2. Neue Software-Tools zu entwickeln, mit deren Hilfe diese Qualitätsindikatoren in arabisch-, niederländisch-, englisch-, deutsch- und türkischsprachigen Nachrichtentexten gemessen werden können;
  3. Publizierbare Forschungsergebnisse zu generieren, in denen die mediale Terrorismusberichterstattung im internationalen Vergleich und über lange Zeiträume hinweg analysiert wird und deren Größenordnung weit über die bislang publizierte Forschung hinaus geht; sowie
  4. Forscherinnen und Forscher weltweit gründlich validierte Metadaten und extrahierte Textfeatures über das Ausmaß und die Qualität der Terrorismusberichterstattung zur Verfügung zu stellen, die auch nach dem formalen Projektabschluss weiter verwendet werden können.
Arbeitsstand: 

Die Datensammlung und -analyse ist so gut wie abgeschlossen. Inzwischen wurden vier Beiträge aus dem Projekt in internationalen kommunikationswissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht, drei unter Führung des MZES-Teams und einer in Kooperation der drei Teams in Amsterdam, Illinois und Mannheim. Weitere Beiträge wurden auf internationalen Tagungen präsentiert (ICA, APSA, IC2S2) und werden zur Publikation vorbereitet. Ein Methodenbeitrag des Mannheim-Teams über mehrsprachige Topic Models auf Basis von Word Embeddings hat einen Best Paper Award auf der ICA-Konferenz 2020 erhalten. Derzeit arbeiten wir an der Fertigstellung eines Beitrags, der die Berichterstattung über rechtsextreme und islamistische Anschläge vergleicht, sowie an einem Theoriebeitrag, der ein Modell für die multiperspektivische normative Bewertung von Terrorismusberichterstattung entwickelt.

Fact sheet

Finanzierung: 
DFG, NEH, NWO
Laufzeit: 
2017 bis 2021
Status: 
laufend
Datenart: 
Metadaten und extracted features aus globalem Medieninhaltsmaterial
Geographischer Raum: 
global

Veröffentlichungen