Nils D. Steiner, Christian Schimpf, Alexander Wuttke
Left Behind and United by Populism? Populism’s Multiple Roots in Feelings of Lacking Societal Recognition

Politische Vierteljahresschrift, In Press: (publ. online before print)
ISSN: 0032-3470 (print), 1862-2860 (online)

A prominent but underspecified explanation for the rise of populism points to individuals’ feelings of being “left behind” by the development of society. At its core lies the claim that support for populism is driven by the feeling of lacking the societal recognition one deserves. Our contribution builds on the insight that individuals can feel they lack recognition in different ways and for different reasons. We argue that—because of this multifaceted character—the common perception of being neglected by society unites otherwise heterogeneous segments of the population in their support for populism. Relying on data from the German Longitudinal Election Study (GLES) Pre-Election Cross-Section 2021, our preregistered study investigated the multiple roots of populist attitudes in feelings of lacking societal recognition in two steps. First, our results indicate that, from rural residents to sociocultural conservatives or low-income citizens, seemingly unrelated segments of society harbor feelings of lacking recognition, but for distinct reasons. Second, as anticipated, each of the distinct feelings of lacking recognition are associated with populist attitudes. These findings underscore the relevance of seemingly unpolitical factors that are deeply ingrained in the human psyche for understanding current populist sentiment. Overall, by integrating previously disparate perspectives on the rise of populism, the study offers a novel conceptualization of “feeling left behind” and explains how populism can give rise to unusual alliances that cut across traditional cleavages.

Eine bedeutende, aber unterentwickelte Erklärung für den Auf- stieg des Populismus verweist auf das Gefühl, von der Entwicklung der Gesellschaft „abgehängt“ zu sein. Im Kern steht die These, dass die Unterstützung des Populis- mus von der Wahrnehmung getrieben wird, nicht die gesellschaftliche Anerkennung zu erhalten, die man verdient. Dieser Beitrag baut auf der Erkenntnis auf, dass das Gefühl mangelnder Anerkennung auf unterschiedliche Weise und aus unterschiedli- chen Gründen auftreten kann. Wir argumentieren, dass – aufgrund dieses facettenrei- chen Charakters – die gemeinsame Wahrnehmung einer fehlenden gesellschaftlichen Anerkennung ansonsten heterogene Bevölkerungsschichten in ihrer Unterstützung für den Populismus vereint. Basierend auf Daten aus der Vorwahlbefragung der German Longitudinal Election Study zur Bundestagswahl 2021 untersucht unsere präregistrierte Studie die multiplen Wurzeln populistischer Einstellungen in Gefüh- len mangelnder gesellschaftlicher Anerkennung. Erstens weisen unsere Ergebnisse darauf hin, dass – von Individuen in ländlichen Regionen über solche mit soziokul- turell konservativen Einstellungen bis hin zu solchen mit niedrigem Einkommen – scheinbar unverbundene Segmente der Gesellschaft Wahrnehmungen fehlender An- erkennung teilen – allerdings aus unterschiedlichen Gründen. Zweitens ist, wie er- wartet, jedes dieser distinkten Gefühle fehlender Anerkennung mit populistischen Einstellungen assoziiert. Diese Ergebnisse unterstreichen die Relevanz scheinbar un- politischer, tief in der menschlichen Psyche verwurzelter Faktoren, um gegenwärtige populistische Stimmungslagen zu verstehen. Durch die Integration zuvor auseinan- derlaufender Perspektiven auf den Aufstieg des Populismus bietet die Studie eine neue Konzeptualisierung des „Abgehängtseins“ und erklärt, wie Populismus – über traditionelle Cleavages hinweg – zu ungewöhnlichen Allianzen führen kann.