In Europa verändern der Erfolg rechtspopulistischer Parteien und die zunehmende Verbreitung migrationsfeindlicher Rhetorik die politische Landschaft grundlegend und schaffen ein zunehmend feindseliges Umfeld für Migrantinnen und Migranten. Dieser politische Backlash gefährdet nicht nur Integrationsprozesse, sondern stellt auch eine zentrale Herausforderung für Demokratie und sozialen Zusammenhalt dar. Während die Forschung bislang vor allem untersucht hat, wie Zuwanderung das Wahlverhalten der Mehrheitsbevölkerung und die Unterstützung rechtspopulistischer Parteien beeinflusst, wissen wir bislang wenig über die umgekehrte Dynamik: Wie wirkt sich der Erfolg rechtspopulistischer Parteien auf Migrantinnen und Migranten aus? Welche Konsequenzen hat dies für ihr Zugehörigkeitsgefühl, ihr politisches Engagement und ihre Integration?
BELONG schließt diese Forschungslücke, indem das Forschungsprojekt Integration als strategisches Handeln unter Bedrohung neu konzeptualisiert. Aufbauend auf Albert Hirschmans „Exit, Voice, and Loyalty“-Ansatz entwickelt das Projekt ein theoretisches und empirisches Rahmenkonzept, das Reaktionsmuster von Migrantinnen und Migranten erfasst und erklärt, wie diese je nach lokalem politischem Klima, institutionellen Chancenstrukturen und individuellen Merkmalen variieren. Damit werden die Bedingungen identifiziert, unter denen Migrantinnen und Migranten politische Feindseligkeit wahrnehmen und zwischen alternativen Handlungsoptionen wählen.
Empirisch kombiniert BELONG Panelbefragungen mit gezielten Minderheiten Stichproben sowie räumlich verknüpften Wahl- und Verwaltungsdaten aus vier europäischen Ländern. Mittels kausalanalytischer Verfahren auf Basis selbsterhobener Daten untersucht das Projekt die Auswirkungen des Erfolgs rechtspopulistischer Parteien auf die Wahrnehmungen, die Einstellungen und das Verhalten von Migrantinnen und Migranten.
So bietet BELONG neue Einsichten, wie politischer Backlash die Handlungsstrategien von Migrantinnen und Migranten prägt. Das Projekt rückt Migrantinnen und Migranten selbst, nicht die Mehrheitsbevölkerung, ins Zentrum der Analyse und liefert hochwertige Daten darüber, wie politischer Kontext Integrationsprozesse formt. Die Ergebnisse unterstützen zudem Politiken, die Zugehörigkeit fördern und Rahmenbedingungen schaffen, um qualifizierte Migrantinnen und Migranten zu halten und Europas alternde Gesellschaften und Arbeitsmärkte zu stärken.