Das vorgeschlagene Projekt fragt, wie stabil oder volatil die Einstellungen der Deutschen zu außen- und sicherheitspolitischen Fragen in der gegenwärtigen Phase fundamentalen Wandels der internationalen Ordnung sind. Zudem geht es der Frage nach, welche Mechanismen Stabilität und Veränderung dieser Einstellungen zugrunde liegen. Rußlands Invasion der Ukraine, die strategische Umorientierung der Vereinigten Staaten und Chinas rascher Aufstieg fordern die regelgestützte international Ordnung heraus und lassen traditionelle Bedrohungen der Sicherheit auf den europäischen Kontinent zurückkehren. Deutschlands jüngste Policy-Verschiebungen spiegeln diese Turbulenzen wider: die Bundesregierung hat Rüstungsausgaben in Rekordhöhe beschlossen, im Baltikum eine nach vorne gerichtete Haltung eingenommen und begonnen, sensitive wirtschaftliche Bereiche von autoritären Handelspartnern zu entkoppeln. In einer Demokratie können solche tiefgreifenden Veränderungen jedoch nur dann dauerhaft vollzogen werden, wenn sie von einem breiten und dauerhaften öffentlichen Konsens getragen werden. Die öffentliche Meinung in Deutschland und die Faktoren, die diese in einer Zeit des Wandels des internationalen Systems beeinflussen, ist daher von entscheidender Bedeutung, um die demokratische Legitimität und die wahrscheinliche Dauerhaftigkeit kostspieliger neuer Politiken zu beurteilen. Die Entwicklung der öffentlichen Meinung in diesem spezifischen Kontext zu untersuchen bietet darüber hinaus eine Gelegenheit, unser Wissen über die öffentliche Meinung zu außen- und sicherheitspolitischen Fragen generell zu erweitern, und verspricht daher wissenschaftlichen Fortschritt.