Verantwortliche Terrorismusberichterstattung - Teil 2 (ResTeCo-2)

Projektleiter/innen Dr. Chung-hong Chan, Dr. Marc Jungblut, Prof. Dr. Hartmut Wessler Mitarbeiter/innen Prof. Dr. Lesia Horodenko DFG-gefördert 2023 – 2026

Forschungsfrage/Ziel:

In der ersten Projektphase wurden normative Kriterien für verantwortungsbewusste Terrorismusberichterstattung hergeleitet und die Berichterstattung in Textform international und interkulturell vergleichend sowie im Zeitverlauf analysiert. ResTeCo-2 knüpft an den Ergebnissen dieser Phase an und verfolgt vier weiterführende Ziele. Erstens werden die Kriterien der verantwortungsbewussten Terrorismusberichterstattung auf multimodale Medienprodukte (Text, Bild & Video) erweitert. Zweitens wird für einen Zeitraum von zehn Jahren analysiert, wie verantwortungsbewusst die multimodale Berichterstattung in traditionellen und alternativen Medien in Deutschland ist. Drittens vergleichen wir die Wirkung von verantwortungsbewusster Berichterstattung mit der Wirkung von nicht verantwortungsbewusster Berichterstattung. Dabei stehen Effekte  wie emotionale Reaktionen nach Terrorismusberichterstattung, Einschätzungen der Legitimität und des Prestiges terroristischer Täter*innen sowie die Bewertung gesellschaftlicher Outgroups im Vordergrund. Viertens zielt das Projekt darauf ab, kommunikative Verminderungsstrategien zu identifizieren und deren Effektivität empirisch zu prüfen. Diese Strategien sollen es Politik und Sicherheitsbehörden ermöglichen, potenzielle negative Effekte der Berichterstattung durch versachlichende und differenzierende Äußerungen abzumildern. Methodisch kombiniert das Projekt eine automatisierte multimodale Inhaltsanalyse mit zwei Umfrageexperimenten. Die Innovativität des Vorhabens ergibt sich daraus, dass erstmals normative Berichterstattungskriterien für die multimodale Terrorismusberichterstattung systematisch untersucht und Erkenntnisse über die tatsächliche Wirkung von verantwortungsbewusster Berichterstattung und von Verminderungsstrategien generiert werden.

Aktueller Stand:

Das Projekt befindet sich derzeit in der Phase der Datenerhebung und -analyse. Im inhaltsanalytischen Teil des Projekts (durchgeführt bei GESIS von Chung-hong Chan und Paul Balluff) wurde ein neuartiges Softwaretool zur Visualisierung von Text- und Bildkorrespondenzen in der Terrorismusberichterstattung („Dimetrodon“) entwickelt, und die manuelle Kodierung der deutschen Berichterstattung ist im Gange. Im Teilprojekt zu Medienwirkungen (durchgeführt an der LMU München von Marc Jungblut und Anea Meinert) wird derzeit ein drittes Umfrageexperiment über Strategien zur Abschwächung negativer Wirkungen von Terrorismusberichterstattung vorbereitet, während die ersten beiden Experimente gerade veröffentlicht werden. Mit der kürzlichen Aufnahme des Zusatzprojekts von Lesia Horodenko zur Terrorismusberichterstattung in Russland, Weißrussland und der Ukraine verfügt das Projekt nun über eine größere Projektgruppe (unter der Leitung von Hartmut Wessler) am MZES, die sich derzeit auf die Sammlung der erforderlichen Mediendaten konzentriert.