Wahrnehmung, Verbreitung und Folgen alltäglicher Diskriminierung

Projektleiter/innen Dr. Johanna Gereke MZES-gefördert 2020 – 2026

Forschungsfrage/Ziel:

Deutschland hat in den letzten Jahrzehnten einen Wandel von einer weitgehend ethnisch homogenen Bevölkerung zu einem immer vielfältiger werdenden Zielland für Migranten aus aller Welt begonnen. Viele Neueinwanderer kommen aus kulturell und religiös unterschiedlichen Gesellschaften. Wie können sie sich erfolgreich in die deutsche Gesellschaft integrieren? Ein Haupthindernis für eine erfolgreiche Integration sind Diskriminierungserfahrungen. Während die negativen Auswirkungen der Diskriminierung auf dem Arbeits- oder Wohnungsmarkt auf die körperliche und geistige Gesundheit gut dokumentiert sind, können selbst viel subtilere Formen der Diskriminierung zu negativen gesundheitlichen Ergebnissen und einer geringeren Lebenszufriedenheit bei Einwanderern und ethnischen Minderheiten führen. Dieses Projekt untersucht mittels Umfragen und Feldexperimenten die Auswirkungen alltäglicher Diskriminierung oder subtiler, unbeabsichtigter Verhaltensunterschiede von Angehörigen einer einheimischen Mehrheit im Umgang mit Angehörigen von Minderheiten. Alltägliche Diskriminierung stellt heute möglicherweise die häufigste Form der Diskriminierung dar, da veränderte gesellschaftliche Normen eine offene Diskriminierung mittlerweile erschweren. Alltägliche Diskriminierung zu verstehen ist daher ein Schlüssel zum Verständnis der Erfahrungen von Einwanderern und ethnischen Minderheiten im heutigen Deutschland und kann auch dazu beitragen, Unterschiede in Bezug auf Wohlbefinden und Integrationsergebnisse zu erklären.

Aktueller Stand:

Ein Artikel befindet sich derzeit noch unter Begutachtung, der untersucht, wie sichtbare religiöse Merkmale von Muslim:innen das Vertrauen in alltäglichen Interaktionen in Deutschland beeinflussen. In einem Lab-in-the-Field-Vertrauensspiel wurden Migrationshintergrund und religiöse Signale der Vertrauenspersonen experimentell variiert. Die Ergebnisse zeigen, dass islamische religiöse Signale das Vertrauen gegenüber Personen mit Migrationshintergrund erhöhen und die Vertrauenslücke zwischen Einheimischen und Zugewanderten verringern. Das Projekt erarbeitet derzeit mehrere weitere Publikationen, die untersuchen, wie religiöse Signale wahrgenommen werden und welchen Einfluss sie auf soziale Interaktionen im Alltag haben.