Wandelnde Narrative: Fehleinschätzungen und faktische Informationen über Immigration
Forschungsfrage/Ziel:
Dieses Projekt untersucht, wie faktische Informationen über Immigrationspolitiken und demokratiebezogene Einstellungen von Immigrant*innen politische Ansichten, Präferenzen und Verhalten beeinflussen können. Existierende Forschung hat sich bisher vor allem auf numerische Fehleinschätzungen fokussiert, wie etwa das Überschätzen des Anteils Immigrant*innen, die in einem Land leben. Interventionen, die hierzu Informationen bereitstellen, erhöhen faktisches Wissen, haben aber nur begrenzte Effekte auf Ansichten. Ob und wie Informationen zu anderen einwanderungsbezogenen Fehleinschätzungen politische Meinungen beeinflussen, lässt sich bisher kaum sagen. Um diese Lücke zu schließen, fokussiert sich dieses Projekt auf zwei unterforschte Bereiche: Fehleinschätzungen zu Immigrationspolitiken (Regeln, welche u.a. die Integration und Rechte von Neuankommenden regulieren) und zu demokratiebezogenen Einstellungen, die Immigrant*innen aus nicht-demokratischen Regimen vertreten (z.B. Unterstützung für demokratische Institutionen). Die erste Dimension vermittelt institutionelle Signale zu Zugehörigkeit und Inklusion, aber auch zu den potenziellen Grenzen und Hürden, denen Immigrant*innen begegnen. Die zweite Dimension betrifft hingegen Bedrohungswahrnehmungen, die mit kulturellen und ideologischen Kompatibilitätsbedenken verknüpft sind. Beide Dimensionen haben stärkere normative Implikationen als Schätzungen zu Bevölkerungszahlen, da sie direkter Aufschluss über die symbolische Zugehörigkeit von Immigrant*innen zur Aufnahmegesellschaft geben, indem sie sich auf institutionelle Regeln und Ansichten von Immigrant*innen beziehen. Um diese Dynamiken zu untersuchen, verwendet dieses Projekt Umfragen und experimentelle Interventionen in Deutschland und der Schweiz. Diese zielen darauf ab, Fehleinschätzungen dieser beiden Dimensionen zu untersuchen und festzustellen, inwiefern faktische Informationen politische Ansichten, politische Präferenzen und Verhalten beeinflussen können. Das Projekt dokumentiert nicht nur generelle Tendenzen, sondern auch, welche Rolle die Diversität von Immigrant*innen und die Expertise der Quelle dabei spielen, wie Informationen in die Meinungsbildung eingehen. Darüber hinaus liefert es wichtige Erkenntnisse, inwieweit die gemessenen Fehleinschätzungen tatsächlich als feste Überzeugungen bestehen, wie frühere Forschung impliziert, oder ob die Befragten sich ihrer Antworten eher unsicher sind. Die Resultate werden nicht nur die Forschungsfelder Migration, öffentliche Meinung und politische Kommunikation voranbringen, sondern auch wichtige Erkenntnisse für politische Entscheidungsträger*innen liefern, inwiefern faktische Informationen als Katalysator für Meinungsbildung wirken können. Zusammenfassend untersucht dieses Projekt eine zentrale Herausforderung heutiger Demokratien: die Bedeutung faktischer Informationen für die öffentliche Meinungsbildung in einem Zeitalter von Misinformation, Polarisierung und zunehmend vielfältigen Gesellschaften.
Aktueller Stand:
Ein Antrag für Projektförderung wurde bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eingereicht. Das Vorhaben durchläuft momentan den mehrstufigen Evaluations- und Reviewprozess der DFG.
Publikationen
Präsentationen
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(2025): Irregular immigration and the reintroduction of national border controls: Evidence from Germany. [Annual Meeting of the DVPW Section Methods of Political Science, Mannheim, 27/03/2025 - 28/03/2025]. More
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(2025): Irregular immigration and the reintroduction of national border controls: Evidence from Germany. [15th annual conference of the European Political Science Association (EPSA), Madrid, 26/06/2025 - 28/06/2025]. More