Hartmut Esser
In guten wie in schlechten Tagen? Das Framing der Ehe und das Risiko zur Scheidung. Eine Anwendung und ein Test des Modells der Frame-Selektion

Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 2002: 54, issue 1, p. 27-63

In dem Beitrag wird das Modell der Frame-Selektion als einem Ansatz zur Integration des „normativen“ und des „rationalen“ Handelns auf die Erklärung von Ehescheidungen angewandt, operationalisiert und mit den Daten der Mannheimer Scheidungsstudie empirisch überprüft. Es zeigt sich nicht nur die deutliche Wirkung des „Framings“ von Ehen zu Beginn auf die Ehestabilität, auch nach Kontrolle von Drittvariablen, sondern auch eine durch das Modell vorhergesagte, nicht-triviale und daher als besonders „harter“ Test geltende Interaktion des Framings der Ehe mit der Zugehörigkeit zu bestimmten Heiratskohorten. Der Beitrag diskutiert dabei auch die Möglichkeiten und Vorzüge einer „allgemeinen“ Theorie des Handelns für die Sozialwissenschaften allgemein.

In this contribution the model of frame-selection as an approach to integrate „normative“ and „rational“ action is being used for the explanation of divorce, operationalized and empirically tested with data of the Mannheim Divorce Study. Not only the evident effect of the „framing“ of marriage at the beginning on the subsequent stability of the marriage is shown, even after introducing control variables, but also a non-trivial interaction that is predicted by the model and that can be regarded a a „hard“ test of it, namely the framing of the marriage with the belonging to a certain marriage cohort. At the same time this contribution is also discussing possibilities and advantages of a „general“ theory of action for the social sciences in general.