Gesellschaftliche, politische und ökonomische Konsequenzen der innereuropäischen Ost-West-Migration

Fragestellung/Ziel: 

Migration von Ost- nach Westeuropa ist ein anhaltendes Massenphänomen. Mit etwa 10 Millionen Menschen, die in den letzten 20 Jahren in diese Richtung gewandert sind, mehr als aus jeder anderen Region der Welt, leben derzeit etwa 10% der gesamten mittel- und osteuropäischen Bevölkerung in Westeuropa (vgl. Auer & Schaub, 2021, The Political Consequences of Mass Emigration). Einerseits ist diese Entwicklung positiv zu bewerten, da sie dazu beiträgt, innereuropäische Unterschiede im Lebensstandard zu mildern, Ungleichgewichte auf dem Arbeitsmarkt zu verringern und somit den sozialen Wohlstand in den EU-Mitgliedstaaten zu erhöhen. Andererseits birgt diese Massenmigration sowohl in den Herkunfts- als auch in den Aufnahmeländern Herausforderungen. Beispiele hierfür sind die Integration von Neuankömmlingen in den westeuropäischen Staaten und die Abwanderung von Fachkräften, der Mangel an Arbeitskräften, die politische Radikalisierung und der Aufstieg nationalistischer und autoritärer Parteien in den östlichen Ländern.
Aufgrund der aufeinanderfolgenden Krisen der letzten Jahre (Weltfinanzkrise, Eurokrise, Flüchtlingskrise, Corona-Krise) wurde diesem Thema jedoch nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt, weder in der öffentlichen Debatte noch in der Forschung oder in den Medien. Folglich wissen wir nicht viel über das Ausmaß dieses Phänomens, noch über einige der möglichen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Risiken, und die Chancen, die sich daraus ergeben. Dies erschwert es den politischen Entscheidungsträgern, vorausschauende und nachhaltige Maßnahmen zu entwerfen und umzusetzen, um die Vorteile dieser Art von innereuropäischer Migration zu optimieren und gleichzeitig ihre negativen Nebenwirkungen zu bekämpfen.

In diesem Projekt wollen wir die Ost-West-Migration in Europa in einem rigorosen empirischen Ansatz untersuchen, um umfassende und detaillierte Informationen über das Phänomen, sein zukünftiges Potenzial und die damit verbundenen Risiken und Probleme in den wichtigsten beteiligten Ländern zu liefern. Darüber hinaus wollen wir konkrete politische Empfehlungen und Best-Practice-Beispiele erarbeiten, die Entscheidungsträgern helfen sollen, mit diesem Thema effektiv umzugehen. Dabei werden wir alle wichtigen Aspekte des gesellschaftlichen Wandels ansprechen: die demografische, die politische und die wirtschaftliche Dimension.

Fact sheet

Finanzierung: 
BMBF
Laufzeit: 
2021 bis 2022
Status: 
laufend
Datenart: 
Experimentelle Befragungen, Registerdaten, administrative aggregierte Daten
Geographischer Raum: 
Europa

Veröffentlichungen