Bildungsinvestitionen in Migrantenfamilien | Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung

Cornelia Kristen, Nadia Granato
Bildungsinvestitionen in Migrantenfamilien

S. 123-141 in: Klaus J. Bade, Michael Bommes (Hrsg.): Migration - Integration - Bildung. Grundfragen und Problembereiche. 2004. Osnabrück: Vandenhoeck & Ruprecht
[IMIS-Beiträge]

Warum schneiden Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem vergleichsweise schlecht ab? Zur Beantwortung dieser Frage werden die Investitionsmöglichkeiten der Familien genauer untersucht. Es wird argumentiert, dass Familien die ihnen jeweils zur Verfügung stehenden Ressourcen, Eigenschaften, Positionen, Güter etc. einsetzen können, um ihren Kindern die Realisierung höherer Bildungsabschlüsse zu ermöglichen. Allerdings sind Migrantenfamilien in diesem Investitionsprozess besonderen Restriktionen unterworfen, da ihnen hierfür oftmals bedeutsame Ressourcen fehlen. Aus systematischen Unterschieden in der Ressourcenausstattung verschiedener Bevölkerungsgruppen ergeben sich damit häufig sehr unterschiedliche Strategien der Bildungsinvestition. Dieses zentrale Argument wird im Beitrag an verschiedenen Beispielen erläutert. Im empirischen Teil werden einige Aspekte der unterschiedlichen Ressourcenausstattung herausgegriffen und mit Blick auf ihren Einfluss auf den Schulerfolg junger Erwachsener mit Migrationshintergrund untersucht. Für diese Analysen werden Daten der Mikrozensen 1991, 1993, 1995, 1996, 1997 und 1998 herangezogen. Es wird analysiert, ob 18 Jährige die Fachhochschulreife bzw. das Abitur erreichen oder nicht. Sobald man wichtige Familienressourcen wie den Bildungsabschluss oder die berufliche Stellung der Bezugsperson kontrolliert, verschwinden die eingangs festgestellten ethnischen Nachteile.