Der Effekt eines Männerüberschusses auf Fremdenfeindlichkeit: Paneldatenevidenz aus den neuen Bundesländern

Fragestellung/Ziel: 

Von willentlichen Eingriffen abgesehen, ist das Geschlechterverhältnis sowohl bei Neugeborenen wie auch in der Population der Erwachsenen sehr konstant. In grossen Teilen Asiens und Nordafrikas hat die Tradition der Präferenz für Söhne, welche sich durch geschlechtsspezifische Abtreibungen oder in Diskriminationspraktiken gegenüber Mädchen äussert, dieses natürliche Geschlechterverhältnis hingegen gestört. Kohorten mit einem grossen Männerüberschuss erreichen nun das Erwachsenenalter und kennzeichnen sich durch einen überwiegend tiefen sozialen Status. Viele Studien äussern sich dahingehend, dass eine herabgesetzte oder sogar fehlende Heiratsfähigkeit und die damit einhergehende Marginalisierung durch die Gesellschaft zu antisozialem Verhalten, Gewaltbereitschaft, Prostitution und der erhöhten Verbreitung von Krankheiten (v.a. HIV) führt. Wenngleich in kleinerem Umfang und aufgrund anderer Umstände, finden sich mittlerweile auch in den neuen Bundesländern Kohorten mit einem deutlichen Männerüberschuss. Dieser zeigt sich vor allem in den neuen Bundesländern, in denen in den letzten zwei Jahrzehnten seit der Wiedervereinigung überproportional viele Frauen v.a. ländliche Gegenden verlassen haben. Wir untersuchen den Effekt dieser Kohorten mit einem Männerüberschuss durch die Kombination von Individualdaten zu Einstellungen mit demographischen Daten auf Landkreisebene für alle Jahre seit der Wiedervereinigung. Mit diesem Paneldatensatz für die Landkreise der neuen Bundesländer kann der direkte Effekt eines Männerüberschusses auf die Kohabitations-, Ehe- und Scheidungsraten wie auch der indirekte Effekt der sozialen Marginalisierung auf ausländerfeindliche Einstellungen und die Unterstützung von rechtsextremen Gruppierungen und Parteien geschätzt werden.

Arbeitsstand: 

Der Projektantrag wurde bei der DFG eingereicht. Bis jetzt wurde ein extensiver Literaturüberblick zusammengestellt und ein erstes, formales Modell zur Erklärung der propagierten Zusammenhänge formuliert. Diverse Datensätze wurden gesichtet und erste statistische Resultate auf Basis des vorläufigen Modells erzielt. Aktuell werden Registerdaten gesammelt und es wird die Möglichkeit der Zusammenlegung mit den Befragungsdaten erörtert.

Fact sheet

Laufzeit: 
2012 bis 2015
Status: 
in Vorbereitung
Datenart: 
Primärdatenerhebung / Sekundärdaten
Geographischer Raum: 
Deutschland

Veröffentlichungen