Kompetenzerwerb und Lernvoraussetzungen

Fragestellung/Ziel: 

Das Projekt "Kompetenzerwerb und Lernvoraussetzungen" (KuL) setzt sich mit dem Unterrichtsgeschehen in Grundschulen auseinander. Welche Lernvoraussetzungen bringen Kinder in die Grundschule mit? Wie gestalten Lehrerinnen und Lehrer die Lernumgebungen angesichts einer heterogen zusammengesetzten Schülerschaft? Welche Bedingungen sind bedeutsam für einen förderlichen Umgang zwischen Lehrkräften und Kindern? Welche Arten der Interaktion zwischen Kindern und Lehrkräften begünstigen Lernprozesse und damit den Kompetenzerwerb?
Bei der Beantwortung dieser Fragen sollen sowohl schulische als auch außerschulische Bedingungen berücksichtigt werden. Zu den außerschulischen Bedingungen zählen vielfältige individuelle Voraussetzungen, etwa die mit der sozialen Herkunft oder einem Zuwanderungshintergrund verbundene typische Ressourcenausstattung der Familien. Im schulischen Bereich richtet sich das Interesse auf die Interaktionen zwischen Kindern und Lehrkräften. Hier sind Aspekte wie die Klassenführung, die Unterrichtsgestaltung, das Klassenklima oder auch Einschätzungen und Erwartungen der Lehrerschaft bedeutsam.
Zur Untersuchung der Interaktionsprozesse wird das Unterrichtsgeschehen im Längsschnitt an insgesamt 30 Essener Grundschulen nachgezeichnet. Die Stichprobe umfasst ca. 60 Klassen und damit rund 800 Kinder. Für das erste Schuljahr sind sieben Erhebungen vorgesehen. Grob lassen sich die folgenden drei Phasen unterscheiden:

  1. In der ersten Phase werden mit Beginn des ersten Schuljahres telefonische Interviews mit den Eltern durchgeführt, um die familiären Lernvoraussetzungen zu erfassen. Außerdem werden fachspezifische Kompetenzen der Kinder im sprachlichen und mathematischen Bereich sowie ihre kognitiven Fähigkeiten erhoben. Zum selben Zeitpunkt werden auch die Lehrkräfte schriftlich zu ihren Erwartungen und Einschätzungen in Bezug auf ihre Klasse befragt.
  2. Im Rahmen der zweiten Phase, die ebenfalls in den Verlauf des ersten Schuljahres eingebettet ist, werden ausgewählte Unterrichtsstunden gefilmt. Damit soll das Verhalten der Schulkinder und ihre Interaktion mit der Klassenlehrkraft in der alltäglichen Lernumgebung erfasst werden. Ergänzend zum Videomaterial kommen in persönlichen Befragungen auch die Kinder zu Wort. Erhoben werden unter anderem solche Aspekte wie die Motivation zum schulischen Lernen, das Fähigkeitsselbstkonzept oder Wahrnehmungen der Interaktion mit der Lehrkraft.
  3. In der dritten Phase schließlich werden zum Ende des ersten Schuljahres die fachspezifischen Kompetenzen der Kinder sowie die Einschätzungen und Erwartungen der Lehrkräfte erneut erfasst. Auf diese Weise wird es möglich, Veränderungen im Zeitverlauf abzubilden und zu analysieren.

Perspektivisch ist geplant, die Leistungsentwicklung bis zum ersten Bildungsübergang am Ende der Grundschulzeit zu verfolgen. Sofern eine Verlängerung des Projekts im Anschluss an den aktuellen Bewilligungszeitraum gewährleistet werden kann, sollen bis zum Ende der vierten Jahrgangsstufe wiederholte Kompetenzmessungen sowie eine weitere Befragung der Eltern durchgeführt werden.

Arbeitsstand: 

Das Projekt befindet sich momentan in der Phase der Datenaufbereitung sowie der Durchführung von ersten Analysen. Sechs Datensätze, die Informationen von Lehrkräften, Eltern und Schüler/innen enthalten werden aufbereitet und zusammengeführt. Die Videoaufnahmen der Unterrichtsstunden werden kodiert um quantitative Analysen zu ermöglichen. Außerdem wird die erste Publikation vorbereitet.

Fact sheet

Finanzierung: 
BMBF
Laufzeit: 
2011 bis 2015
Status: 
ongoing
Datenart: 
Primärdatenerhebung
Geographischer Raum: 
Deutschland

Veröffentlichungen